Intel und Cisco wollen Standard für vermaschte Wireless LANs
Auf der nächsten Sitzung der für Wireless LANs (WLANs) zuständigen Arbeitsgruppe 802.11 des Institute of Electrical and Electronics Engineers (IEEE) in Vancouver (Kanada) wollen Intel und Cisco Systems einen Standard für vermaschte WLANs vorschlagen.
Die Tagung findet vom 11. bis zum 16. Januar 2004 statt. Dort ist das erste Treffen einer Studiengruppe (Study Group) geplant, die technische Spezifikationen für solche Wireless Meshes erarbeiten will.
Solche vermaschten Funknetze bestehen aus WLAN-Zugangspunkten (Access Points) oder anderen Netzwerkknoten, die sich spontan zu einer drahtlosen Kommunikations-Infrastruktur zusammenschließen lassen. Im Unterschied zu herkömmlichen Wireless LANs sind dazu keine Switches notwendig, die als zentrale Kontrollinstanzen in einem WLAN dienen. Ein Mesh Network ist dezentral organisiert, das heißt jeder Teilnehmer stellt sich gewissermaßen den anderen vor und weiß, über welche Pfade er Informationen von Punkt A zu Punkt B transportieren kann. Der Vorteil einer solchen Struktur: Es gibt keinen „Single Point of Failure“, also etwa einen Wireless Switch, Router oder Access Point. Fällt ein System aus, laufen die Informationen über einen anderen Weg zum Ziel.
Denselben Ansatz verfolgten übrigens die Väter des Internet. Sie wollten eine Kommunikationsinfrastruktur schaffen, die sich nicht durch einen gezielten Schlag auf einzelne System ausschalten ließ. Auch das Grid-Computing, also das Zusammenschalten von vielen Rechnern, die an unterschiedlichen Orten stehen, zu einem virtuellen Superrechner, nutzt dieses Prinzip.
Ein zentrales Problem von vemaschten WLANs sind die Protokolle, die dazu dienen, die Kommunikation zwischen den Netzwerkknoten abzuwickeln. Derzeit gibt es eine Reihe von unterschiedlichen, herstellerspezifischen Techniken, die nicht kompatibel sind. Hinzu kommt, dass solche Protokolle maximal ein bis zwei Prozent der verfügbaren Bandbreite eines Netzes für sich beanspruchen dürfen. Anderenfalls leidet die Leistungsfähigkeit der Infrastruktur allzu sehr.
Um zu verhindern, dass sich unterschiedliche De-facto-Normen für Wireless Meshes etablieren, wollen Cisco und Intel die Arbeit an einem offiziell anerkannten Standard für solche Netze forcieren. Beide Unternehmen haben dabei nicht nur das Wohl der Anwender im Auge, die sich ansonsten mit inkompatiblen Produkten herumplagen müssten. Die zwei Schwergewichte der Halbleiter- und Kommunikationsbranche fürchten vielmehr, dass die User angesichts eines Dschungels von Spezifikationen, Normen und „Industriestandards“ schlichtweg die Lust verlieren könnten, sich auf die neue Technologie einzulassen. Es geht somit darum, die Entwicklung eines neuen Marktsegments „beschützend“ zu begleiten.
Forscher von Intel und Cisco ließen mittlerweile durchblicken, dass der neue Standard unter anderem die gängigen Wireless-LAN-Sicherheitsverfahren und Übertragungstechniken unterstützen soll, etwa IEEE 802.11 b, a und g. Wie lange es dauern wird, bis die Norm vorliegt, ist noch offen. Aber vor Ende 2004 ist mit Sicherheit nicht damit zu rechnen.
Trotzdem bieten bereits etliche Firmen vermaschte Funknetze an. Dazu gehören Belair Networks aus Kanada und die beiden US-Firmen Firetide und Strix Systems. Sie äußerten Zweifel daran, dass ein Standard für Wireless Meshes erarbeitet werden könne. Eine ähnliche Technik namens „Moteran“ hat übrigens auch das deutsche Beratungshaus Detecon für Mitsubishi International entwickelt. Sie setzt auf Funk-LANs auf Basis des Standards IEEE 802.11b auf. Allerdings ist es um Moteran recht still geworden. Zu einem Kassenschlager scheint sich das Produkt nicht entwickelt zu haben. (re)
Verfasst von: Bernd Reder am 11.12.03, 19:13
