Für ganz Coole: Snowboard-Jacke mit MP3-Player und Bluetooth-Funkmodul

Viele Menschen bringen „Wearable Computer“ oder „Wearable Electronics“ bestenfalls mit Sciencefiction-Filmen in Verbindung. Der eine oder andere dürfte mit diesen Begriffen vielleicht sogar Schreckensgestalten wie die „Borgs“ aus der TV-Serie oder den Filmen der Reihe „Raumschiff Enterprise" assoziieren, also Geschöpfe, die einer Mischung aus Lebewesen, Rechnern und teils Kommunikationssystemen gleichen.

Doch Zukunftsmusik ist Kleidung, in die Unterhaltungs- oder Kommunikationsgeräte im wahrsten Sinne des Wortes „nahtlos“ integriert sind, beleibe nicht.

Ein Beleg dafür ist „The Hub“, eine Snowboard-Jacke, die der kalifornische Bekleidungshersteller O’Neill zusammen mit dem deutschen Elektronikspezialisten Infineon Technologies entwickelt hat.

Das coole Teil ist mit einem Chipmodul bestückt: Es enthält einen MP3-Player, der den Fahrer mit Musik versorgt, außerdem ein Bluetooth-System, das über Funk die Verbindung zum Handy des Benutzers herstellt. Bedienen lassen sich die beiden Geräte mithilfe einer Stofftastatur. Die Lautsprecher für den Player und das Headset sind in einem Helm integriert. Möchte der Snowboarder telefonieren, aktiviert er über die Tastatur das Bluetooth-Modul. Das Mikrofon ist am Kragen der Jacke befestigt.

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“Intelligenz“ eingenäht: O’Neills Snowboard-Jacke enthält ein Elektronikmodul, das über leitfähige Stoffbänder mit Peripheriegeräten verbunden ist. (Bild: Infineon)

Tastatur, Kopfhörer und das Chipmodul sind über elektrisch leitfähige Stoffbahnen miteinander verbunden. Auf diese Weise entfällt eine Verkabelung, die der Fahrer vor allem bei Stürzen schmerzhaft zu spüren bekommen würde. O’Neill will „The Hub“ als Teil der Winterkollektion 2004/2005 ab September anbieten, allerdings vorerst nur in Europa und in einer Version für Männer. Offenbar hat die Firma leichte Zweifel daran, dass Damen diese neue Form von Funktionskleidung ebenso aufregend finden wie das „starke Geschlecht“.

Der Preis des Hightech-Stücks ist allerdings nicht von Pappe: Es soll etwa 500 Euro kosten. Das ist eine Menge Geld, auch wenn Nobelanbieter wie Bogner oder Killy für ihre Ski- und Snowboard-Jacken gut und gerne 700 bis 1000 Euro verlangen – ohne integrierte „Wearable Electronics“.

Es ist jedoch nicht auszuschließen, dass die Konkurrenten von O’Neill nachziehen und ähnliche Produkte anbieten, wenn „The Hub“ sich zu einem Erfolg entwickeln sollte. Sprecher von Infineon sagten, das Unternehmen habe „mit über 200 Unternehmen aus der Textilwirtschaft über konkrete Projekte gesprochen“. So arbeitet Infineon mit den Teppichwerken Vorwerk in Hameln derzeit am Prototypen eines „intelligenten Teppichs“. Man darf gespannt sein, welche Funktionen der bieten wird, vielleicht in regelmäßigen Abständen die Meldung, dass ihm wieder einmal eine Reinigungskur gut täte?

Immerhin gehen die Experten der Venture Development Corporation davon aus, dass intelligente Textilien im Jahr 2007 weltweit einen Markt von etwa einer Milliarde Euro bilden werden. Nicht nur in Freizeitbekleidung wird demnach die Elektronik Einzug halten, sondern auch in Kleidungsstücken für Mediziner oder Mitarbeiter von Sicherheitsdiensten und Logistik-Dienstleistern. Auch das Militär dürfte sich für „intelligente“ Kleidung interessieren. Denn daran, dass auch der Soldat der Zukunft voll „verkabelt“ ins Gefecht ziehen wird, besteht kein Zweifel. Wie jüngst Bilder aus dem Irak-Krieg zeigten, gehören bereits heute Ortungs-, Nachtsicht- und Kommunikationssysteme zur Standardausrüstung von amerikanischen und britischen Truppen.

Bleibt nur noch eine Frage: Wie mache ich meiner Waschmaschine oder dem Mitarbeiter in der Reinigung klar, dass sie mit einem kostbaren Stück wie „The Hub“ besonders pfleglich umgehen soll? Schließlich wäre es auf Dauer etwas kostspielig, nach jedem Reinigungsgang die Elektronik auszutauschen.

Noch ein Tipp zum Abschluss: Informationen zu intelligenter Kleidung und „Wearable Computing“ sind unter anderem auf folgenden Web-Sites zu finden: der entsprechenden Site von Infineon, unter Wearable Computing und auf der Web-Seite der Firma Xybernaut. Sie stellt robuste tragbare Minirechner für den mobilen Einsatz her.

Verfasst von: Bernd Reder am 17.01.04, 13:37
Kommentare

Das ist im Prinzip ein alter Hut ;-) Schon vor einem Jahr gab es von Burton eine Snowboard-Jacke mit Fernbedienung für Apples iPod außen auf dem Ärmel -> http://www.apple.com/pr/library/2003/jan/07burtonipod.html

Schon länger in diesem Bereich aktiv ist beispielsweise auch Philips, das schon geraumer Zeit gemeinsam mit Levis Hightech-Jacken auf den Markt brachte. Siehe etwa hier -> http://www.computerwoche.de/index.cfm?pageid=254&artid=16462

Im Prinzip ist aber auch das alles nur Abklatsch der seit etlchen Jahren am Bostoner MIT geleisteten Grundlagenforschung -> http://www.media.mit.edu/wearables/

Interessant ist es aber natürlich trotzdem, weil es ein weiterer Hinweis darauf ist, dass solche Technik den Elfenbeinturm hinter sich lässt und unser aller Leben sicher noch weit stärker verändern wird, als wir uns das heute erst vorstellen können.


Verfasst von: Thomas am 17.01.04, 19:20
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