Mit Funketiketten Waren – und Kunden – auf der Spur

Neu sind sie beleibe nicht: Radio Frequency Identification Tags (RFID), also elektronische Etiketten mit integriertem Speicherchip und Transponder, gibt es bereits seit Ende der 80er Jahre. In großem Maßstab wurden solche Smart Tags allerdings bislang nur in wenigen Bereichen. Der Grund: Zum einen die Kosten, zum anderen weil mit dem Strichcode (Barcode) eine Alternative zur Verfügung stand, die für die meisten Einsatzgebiete ausreichte, etwa im Einzelhandel oder der Industrie.

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Sollen die Lagerhaltung vereinfachen und die Lieferkette optimieren helfen: Großhandelsketten wie Metro und Wal-Mart wollen in großem Maßstab Funketiketten einsetzen. (Bild: Metro Group)

Doch nun scheint die Zeit der elektronischen Etiketten gekommen zu sein. Auf der Kongressmesse „National Retail Federation“, die in der vergangenen Woche in New York stattfand, präsentierten unter anderem Intel, Microsoft, IBM und Sun Microsystems Lösungen für den Einzelhandel, die auf RFIDs aufsetzen. Das Ziel ist, mithilfe der intelligenten Etiketten die Lieferkette zu optimieren, von der Produktion von Waren über deren Auslieferung bis hin zur Lagerhaltung.

Einen Eindruck davon, wie der Supermarkt der Zukunft aussehen könnte, in dem RFID-Systeme zum Einsatz kommen, vermittelt der Future Store . Die Metro Group betreibt ihn bereits seit April vergangenen Jahres in Rheinberg. Dort sind alle Waren mit einem Smart Tag versehen. Wenn ein Kunde eine Ware in seinen Einkaufwagen legt, erhält das Warenwirtschaftssystem eine Rückmeldung. Fällt der Warenbestand in einem Regal unter eine bestimmte Marke, erhält das Personal den Auftrag, die Bestände aufzufüllen. Parallel dazu wird beim Zulieferer Nachschub geordert.

Im Herbst will Metro die Funk-Etiketten in 250 Märkten und zehn zentralen Lagern in Deutschland einsetzen. Außerdem sollen die 100 größten Lieferanten des Konzerns RFID Tags verwenden. Auf diese Weise will Metro die Lagerkosten senken und Umsatzausfälle vermeiden. Sie können etwa dann entstehen, wenn die Bestände nicht rechtzeitig aufgefüllt werden und ein Regal eine Zeit lang leer bleibt. Noch offen ist, ob, wie in Rheinberg, auch „elektronische Einkaufwägen“ zum Einsatz kommen. Sie sind mit einem Terminal ausgerüstet, das Informationen über die Ware bereitstellt und eine elektronische Waage enthält.

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Liefert Produktinformationen und dient als Waage: Im Super Store von Metro sind die Einkaufswägen mit einem Terminal ausgerüstet. (Bild: Metro Group)

Parallel dazu haben Metro, die französische Carrefour-Kette und Tisco die EPC Retail User’s Group gegründet. EPC steht für „Electronic Product Code“. Zusammen mit Firmen wie SAP, IBM und Intel wollen die Konzerne Verfahren entwickeln, mit denen sich unter Einsatz von Techniken wie RFID, Warenwirtschaftssystemen oder Extranets die Zusammenarbeit mit Lieferanten optimieren lässt.

Auf diesem Sektor will auch Sun mitspielen. Das Unternehmen startete deshalb im vergangenen Jahr eine Electronic Product Code Initiative (EPC). In einem RFID-Testzentrum in Dallas können sich potenzielle Nutzer ein Bild davon machen, wie Bestellwesen, Lagerhaltung und Produktionsprozesse durch elektronische ID-Systeme verbessert werden können, selbstverständlich mit Hard- und Software von Sun, inklusive Java, Webservices und Servern unter dem Betriebssystem „Solaris“. Fraglich ist jedoch, ob sich Sun mit seinem Vorstoß gegen namhafte Konkurrenten wie IBM, Intel oder auch Microsoft durchsetzen kann.

Denn auch die Firma von Bill Gates ist nicht untätig geblieben und hat mit „Smarter Retailing“ eine eigene Initiative gestartet. Das Ziel: Mitarbeiter und Kunden in Echtzei“ mit Informationen versorgen, etwa über Lagerbestände oder mit Details zu bestimmten Produkten oder Sonderangeboten. Diese Daten lassen sich über mobile Geräte wie Personal Digital Assistants (PDAs) und Mobiltelefone abrufen. Nach Angaben von Microsoft haben sich mittlerweile 20 Hard- und Softwarefirmen sowie Systemintegratoren der Initiative angeschlossen.

Allerdings mehren sich auch Stimmen, die vor den Schattenseiten von RFID-Etiketten warnen, Stichwort Datenschutz. Sie weisen darauf hin, dass sich mithilfe von Tags der Weg von Kunden durch einen Supermarkt exakt nachvollziehen lasse. Außerdem ließe sich anhand des Einkaufsverhaltens des Kunden eine Art Profil erstellen, vor allem dann, wenn diese Informationen mit personenbezogenen Daten kombiniert werden. Das könnte beispielsweise dann passieren, wenn der Kunde eine Rabattkarte des betreffenden Handelshauses verwendet oder einen Online-Newsdienst mit Sonderangeboten abonniert.

Einige Firmen, wie etwa Benetton, haben daher nach Protesten amerikanischen Bürgerrechtgruppen vorläufig darauf verzichtet, elektronische Etiketten in großem Maßstab einzusetzen.

Verfasst von: Bernd Reder am 18.01.04, 15:05
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