CIA schädigte sowjetische Wirtschaft mit manipulierter Hightech

Im Kampf gegen das „Reich des Bösen“ war den USA Anfang der 80er Jahre offenbar jedes Mittel Recht. In seinen Memoiren erwähnt Thomas Reed, ein ehemaliges Mitglied des Nationalen Sicherheitsrates der Vereinigten Staaten, dass der CIA die Ausfuhr von manipulierter Hard- und Software in die Sowjetunion initiierte. Anfang 1982 hatte der damalige Präsident Ronald Reagan für diesen Plan des Geheimdienstes grünes Licht gegeben.

Ein Artikel in der Washington Post, der auf das Buch von Reed eingeht, beschreibt eine besonders „erfolgreiche“ Aktion, die der CIA im Rahmen dieses Wirtschaftskrieges gegen das kommunistische Regime startete. Sie richtete sich gegen den Export von Erdgas nach Westeuropa, eine der wichtigsten Devisenquellen der Sowjets. Der CIA sorgte dafür, dass den Russen eine manipulierte Version einer Software zugespielt wurde, mit der sich die Turbinen, Ventile und Pumpen von Gaspipelines steuern ließen. Bekanntermaßen beschafften sich Ostblock-Staaten damals über dunkle Kanäle Hightech aus dem Westen, die sie für Forschung, die Industrie, das Militär oder die Raumfahrt benötigten.

Die Sowjets hatten zu diesem Zweck ein eigenes Spionagenetz namens „Line X Network“ installiert. Ein KGB-Agent, der für die Amerikaner tätig war, übermittelte dem CIA allerdings die „Wunschliste“ der Produkte, die hinter den eisernen Vorhang transferiert werden sollten. Die Russen erhielten daraufhin ein präpariertes Programm für ihre Gaspipelines. Es funktionierte eine Zeit lang tadellos, änderte dann aber die Einstellungen von Ventilen und Pumpen derart, dass die Leitungen platzten und es zu einer gigantischen Explosion in Sibirien kam.

Diese war so heftig, dass der Feuerball von amerikanischen Spionagesatelliten registriert wurde. Das nordamerikanische Luftverteidigungskommando vermutete sogar für kurze Zeit, die Sowjets hätten eine Atomrakete von einer neuen Basis aus gestartet.

Schwerwiegender waren laut Thomas Reed die langfristigen Folgen der Aktion des CIA: Die Sowjets hätten nach kurzer Zeit herausgefunden, dass ein Teil der Technik, die sie in Westeuropa „erworben“ hatten, manipuliert worden war. Um welche Systeme oder Software es sich jedoch im Einzelnen handelte, sei nicht festzustellen gewesen. Die Folge: eine weit gehende Verunsicherung bei Militärs und Wirtschaftsfachleuten, die zum Untergang der Sowjetunion mit beigetragen habe.

Das Buch von Thomas Reed hat den Titel At the Abyss: An Insider’s History of the Cold War. Es wird im kommenden Monat im Verlag Ballantine Books erscheinen.

Verfasst von: Bernd Reder am 02.03.04, 17:33
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