CeBIT: "Mobility" und Konvergenz sind Topthemen, während Sicherheit an Boden verliert

Die Beratungsfirma Mummert Consulting hat 50 "Top-Aussteller"der CeBIT befragt, welche Themen in diesem Jahr auf der Messe im Mittelpunkt stehen werden. Auf den ersten drei Plätzen rangieren demnach kabellose Netze, also Wireless LANs und Bluetooth, gefolgt vom Zusammenwachsen von Informationstechnik und Unterhaltungselektronik. Auf dem dritten Rang folgt die Mobilfunktechnik UMTS (Universal Mobile Telecommunications System).

Mit "mobilen Hardware-Lösungen", also Notebooks oder digitalen Assistenten, und „Entertainment“, vor allem Mobile Gaming, folgen zwei weitere "Mobil-Themen" auf den nächsten Plätzen. "IT-Sicherheit" rutschte dagegen von Platz 4 (2003) auf Rang 7 ab und liegt nun knapp vor "Mittelstandlösungen" (Platz 8).

Doch was sagt uns eine solche Umfrage? Dass nun UMTS nach X Anläufen in diesem Jahr endlich den Durchbruch schafft, oder dass in jedem Heim ein digitales Multimedia-Supercenter Einzug halten wird, bestehend aus Stereoanlage, Webcam, DVD-Player, Rechner und Digital-TV, die über ein Wireless LAN gekoppelt sind? Oder dass IT-Security weniger wichtig ist?

Sicherlich nicht, denn solche Befragungen von – wohlgemerkt – Herstellern geben in erster Linie einen Hinweis darauf, was die Anbieter als "trendy" präsentieren und natürlich verkaufen möchten. Das gilt vor allem für Home-Entertainment-Ausrüstung und mobile Gerätchen wie Handys, Smartphones und digitale Assistenten, sprich "Gadgets", die für einen "digitalen Lifestyle" stehen.

Andererseits heißt das nicht, dass Themen wie Sicherheit, Computing on Demand oder IT für Mittelständler an Boden verloren haben. Das belegen alleine die "Erfolge", die beispielsweise Computerviren aller Art verzeichnen – und das trotz Aufklärungskampagnen in den Medien und den Hinweisen von IT-Fachleuten oder Herstellern von Sicherheitslösungen. Die Deutsche Messe AG selbst erwähnt in einem Beitrag zur CeBIT 2004, dass erst 20 Prozent der mittelständischen Firmen in Deutschland IT-Sicherheitsmechanismen implementiert haben.

Das deckt sich mit den Resultaten einer Umfrage, die das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik Ende 2003 durchführen ließ. Demnach hält jeder fünfte Sicherheitsbeauftragte von deutschen Firmen und Behörden die Organisation, in der er tätig ist, durch unzureichende Schutzvorkehrungen für gefährdet. Das Problem sind weniger fehlende Antiviren-Programme oder Firewalls. Solche Produkte setzt mittlerweile fast jedes Unternehmen ein. Dagegen mangelt es an Sicherheitskonzepten, die von der Zutrittskontrolle bis hin zu Administrator-Rechten alle Aspekte berücksichtigen.

Als Sicherheitsrisiko gilt mittlerweile auch eine Klasse von Geräten, die zu den Highlights auf der CeBIT zählen dürfte: Smartphones oder Handys mit integrierter Kamera. Nach einem Bericht der Beratungsfirma Gartner gehen immer mehr Firmen dazu über, Besuchern und Mitarbeitern zu verbieten, solche Handys mitzubringen. Der Hintergrund: Angst vor Spionage und Sorge um die Privatsphäre ihrer Mitarbeiter. Dabei geht es nicht nur um die Möglichkeit, Bilder zu „schießen“. Etliche Handys oder Smartphones können mittlerweile auch Gespräche aufzeichnen.

Allerdings hält Gartner ein Verbot von Kamera-Handys für überzogen. Es sei sinnvoller, Bereiche auszuweisen, in denen der Einsatz solcher Geräte erlaubt beziehungsweise verboten ist. Außerdem, so die Berater, gebe es Komponenten, die weitaus "gefährlicher" seien, etwa USB-Speicher-Sticks, die sich an Rechner anschließen lassen. Auf den neuesten Modellen haben bis zu 1 GByte Daten Platz. Außerdem gibt es Systeme, die zusätzlich mit einer Minikamera ausgestattet sind. Ein böswilliger Mitarbeiter kann mithilfe eines solchen Sticks beträchtliche Datenmengen aus einem Unternehmen herausschmuggeln.

Statt auf Verbote zu setzen, müssten Firmen und Behörden für den Einsatz von Handys und Speicher-Sticks Verhaltensregeln entwickeln, so die Forderung von Gartner. Ein Aspekt, der dabei häufig übersehen wird: Solche Sicherheitsprogramme müssen sich auch organisatorisch umsetzen lassen. Diesen Punkt unterschätzen Gartner zufolge viele Anwender.

Verfasst von: Bernd Reder am 11.03.04, 16:06
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