Linux: Novell will Management-Tools "Yast" von Suse freigeben
Einem Bericht von CNET News.com zufolge plant Novell, das Konfigurations-Werkzeug "Yast" (Yet Another Setup Tool), das Suse in seiner Linux-Distribution verwendet, als Open-Source-Software zum freien Gebrauch bereitzustellen. Novell hat das Nürnberger Unternehmen im November 2003 für 210 Millionen Dollar übernommen und rückte damit im Linux-Markt auf den zweiten Rang hinter Red Hat vor.

Möglicherweise bald für jedermann zu haben: Novell-Suse hat angeblich vor, das Konfigurationswerkzeug "Yast" unter der General Public Licence freizugeben. (Bild: Reder)
Mit diesem Schachzug könnte Novell-Suse den Einstieg in den Markt für Linux-Management-Software und das Utility Computing schaffen. Mit Yast lassen sich sowohl Linux-Server als auch Desktops verwalten. Systemadministratoren würden somit mit einem einzigen Werkzeug eine komplette Linux-Umgebung managen können. Die Frage ist allerdings, inwieweit das Tool auch mit "fremden" Distributionen zurecht kommt, vor allem Rechnern, auf denen Red-Hat-Linux und Debian laufen. Es ist zudem davon auszugehen, dass Red Hat den Vorstoß von Novell nicht unterstützen wird und statt dessen seine eigenen Management-Werkzeuge favorisiert.
Ebenfalls noch nicht absehbar ist, ob es Novell mit einem Yast unter der General Public Licence (GPL) gelingt, Entwickler von anderen Firmen oder aus der Open-Source-Szene für das Tool zu begeistern. Es liegt auf der Hand, dass sich Novell von der Freigabe von Yast einen Schneeball-Effekt verspricht, also darauf spekuliert, dass in Kürze eine Reihe von Erweiterungen für das Management-Programm zur Verfügung steht und dieses damit in der Linux-Szene an Gewicht gewinnt. Dagegen spricht, dass dieser Schritt sehr spät erfolgt.
Offiziell wollte Novell nach Angaben von News.com keine Stellungnahme abgeben, ob und wann Yast freigegeben wird. Spekulationen darüber, dass dies der Fall sein wird, wenn in etwa zwei bis drei Monaten "Suse Linux Enterprise Server 9" herauskommt, wies das Unternehmen zurück. Auch auf der CeBIT, auf der Suse die neue Version 9.1 seiner Distribution präsentierte, gab die Firma zu diesem Punkt keine Auskunft.
Suse 9.1 basiert auf dem Kernel 2.6 und den Desktop-Versionen KDE 3.2.1 sowie GNOME 2.4.2. Neben 32-Bit-Prozessoren unterstützt die Distribution auch 64-Bit-Rechner mit AMDs "Athlon"-CPUs sowie Intels "Extended Memory 64 Technology". Neu in der Professional-Version ist Samba 3, mit dem sich Linux-Rechner in Windows-Domänen einbinden und mithilfe von Microsofts "Active Directory" managen lassen. Die abspeckte "Personal"-Variante kostet rund 30 Euro, Suse Linux Professional 90 Euro. Beide Pakete sind ab Ende April zu haben.
Verfasst von: Bernd Reder am 19.03.04, 11:20
