Instant Messaging bei Privatleuten und professionellen Anwendern immer beliebter
Einem Report der Marktforschungsgesellschaft Nielsen-Netratings zufolge hat sich Instant Messaging zu einer "Killerapplikation" im Internet entwickelt. Im Januar machten nach Angaben der Marktforscher in Europa IM-Applikationen den kostenlosen E-Mail-Diensten von MSN, Yahoo oder Web.de massiv Konkurrenz. Der Messaging-Dienst von MSN verzeichnete sogar mehr Besucher als der E-Mail-Service desselben Anbieters.
Tabelle Instand-Messaging-Nutzung in Europa
Noch extremer ist laut Nielsen-Netratings die Entwicklung in den Vereinigten Staaten: Dort verbringen die User von AOL und Yahoo mittlerweile mehr als dreieinhalb Stunden pro Monat damit, "Instant"-Nachrichten zu verfassen oder zu lesen. Damit entwickelt sich IM zu einer ernsthaften Konkurrenz für Chat-Sites und entsprechende Anwendungen wie mIRC. Ein Grund für diese Entwicklung ist Nielsen zufolge, dass Nutzer bei IM ihre Privatsphäre besser schützen können.
Messaging-Dienste bieten beispielsweise die Möglichkeit, User-Gruppen anzulegen und die Kommunikation auf diese zu begrenzen. Im Vergleich zur "normalen" E-Mail wiederum spricht für ein IM-Programm, dass sich mit ihm schneller und einfacher kurze Mitteilungen übermitteln lassen: Die Kommunikation via Instant Messenger ist einfach "spontaner".
Den Erfolg von IM wollen sich nun auch Unternehmen zunutze machen, die im Internet werben. »Die große Beliebtheit und besonders die hohe 'Stickiness' [die Zeit, die Online-User bei einem Angebot verbringen] stellen ein großes Potenzial für Werbe- und andere Promotion-Aktivitäten dar", so Tom Ewing von Nielsen-Netratings. Die Frage ist nur, wie sich solche Werbeangebote in die Dienste integrieren lassen, ohne die Nutzer abzuschrecken beziehungsweise zu verärgern. Vor allem Online-Dienste, für die der User bezahlt, wie etwa AOL, werden sich hüten müssen, ihre Klientel mit IM-Werbebotschaften zu nerven.
Noch ein Blick auf ein anderes Einsatzfeld von Instant Messaging: Unternehmen, Stichwort "Enterprise Instant Messaging" (EIM). Die "Großen" der Software-Branche sind längst auf diesem Gebiet aktiv. Microsoft etwa bietet Firmenkunden seinen "Office Live Communications Server 2003" (LCS) an. Er unterstützt das Session Initiation Protocol (SIP), SIP for Instant Messaging and Presence Leveraging Extensions (Simple) der Internet Engineering Task Force und das Simple Object Access Protocol (Soap).
Mittlerweile hat sich Messaging-Spezialist Parlano mit Microsoft zusammengetan und seine "MindAlign"-Plattform mit dem LCS kombiniert. Dadurch stehen nun einzelnen Anwendergruppen zusätzlich Diskussionsforen zur Verfügung. Kontakte und "Identities" lassen sich bei dieser Lösung mithilfe von Active Directory verwalten. Auf die drahtlose Kommunikation setzt dagegen Jabber. Im nächsten Monat will der Hersteller "wireless" IM-Clients für seinen XCP-Server vorstellen. Sie sollen auf Blackberry-Handheld-Rechnern, PDAs unter Pocket PC sowie Geräten unter Symbian laufen.
Fraglich ist allerdings, ob sich die "Kleinen" der Enterprise-Instant-Messaging-Szene gegen Riesen wie Microsoft, IBM-Lotus, siehe Lotus Notes Domino 6.5.1, oder Oracle werden behaupten können. EIM-Tools von Oracle sind derzeit im Beta-Test und sollen zusammen mit der "Oracle Collaboration Suite" in Kürze auf den Markt kommen. Und wer auf Linux setzt, kann ab Ende März oder Mitte April (so ganz klar ist das wohl noch nicht) Novells Collaboration-Software "Groupwise 6.5 for Linux" ordern. Der Anbieter hat das Paket auf das Open-Source-Betriebssystem portiert, wohl mit Hilfe der Neuerwerbung Suse. Neben Instant Messaging bietet Groupwise Funktionen wie E-Mail, das Verwalten von Kontakten und Dokumenten sowie für das Projekt- und Workflow-Management. Mit diesem Schachzug will sich Novell offenkundig von Microsoft und Lotus abheben, die entweder gar keine Produkte für Linux anbieten oder in diesem Bereich nicht übermäßig stark sind.
Verfasst von: Bernd Reder am 24.03.04, 13:14
