US-Studie: Sind Outsourcing und Offshoring doch keine Job-Killer?

Die Debatte um das Verlagern von Arbeitsplätzen in der IT-Industrie ins Ausland gewinnt in den USA an Fahrt. Weil die Kritik am Outsourcing und Offshoring zunimmt, haben nun der Industrie nahe stehende Kreise eine Studie lanciert, die belegen soll, dass durch diese Praktiken keine Jobs verloren gehen. Im Gegenteil: Im vergangenen Jahr habe die Zahl der Arbeitsplätze in den USA um 90.000 zugenommen. Das Auslagern von Tätigkeiten in Niedriglohn-Länder wie Indien oder China habe die Produktivität der Firmen erhöht und ihre wirtschaftliche Lage verbessert. Daher seien sie in der Lage gewesen, im In- und Ausland zu expandieren und neue Arbeitsplätze zu schaffen, so die Argumentation.

Die Studie, die nach Angaben des Wall Street Journal heute in den Vereinigten Staaten veröffentlicht wird, erstellte Global Insight im Auftrag der Information Technology Association of America, einer Interessengruppe der amerikanischen IT-Industrie. Die Resultate sind daher nicht überraschend: Dank Outsourcing werden demnach US-Firmen im Jahr 2008 fast 20,9 Milliarden Dollar einsparen und im Gegenzug mehr als 317.000 neue Jobs schaffen.

Global Insight geht davon aus, dass amerikanische Unternehmen in 2008 IT-Services und Software-Entwicklung im Wert von rund 31 Milliarden Dollar ins Ausland verlagern. Das entspricht 6,2 Prozent der prognostizierten Gesamtausgaben im IT-Bereich. Kritiker bemängeln, dass die Studie nur die Bereiche Software-Entwicklung und IT-Dienstleistungen berücksichtigt, nicht aber benachbarte Felder wie die Fertigung von Komponenten und IT-Systemen oder das Auslagern von Callcentern.

Eine ähnliche Haltung wie die ITAA vertritt auch der Verband der deutschen IT-Industrie Bitkom. Erwin Rohleder, der Vorsitzende der Geschäftsführung der Organisation, sagte vor einer Woche, das Auslagern von Tätigkeiten ins Ausland habe zu keinem Stellenverlust in Deutschland geführt. In diesem Jahr würde die Branche 1000 neue Arbeitsplätze schaffen. "Es wäre eine Unterlassungssünde, Outsourcing nicht zu nutzen", so Rohleder. Outsourcing könne Produkte besser und günstiger machen und eröffne Firmen die Chance, mehr Geld in Forschung und Entwicklung zu investieren. Dies geschehe in erster Linie in Deutschland.

Dem widersprechen allerdings Aussagen aus der deutschen IT- und Elektronikindustrie. Aus Firmen wie Siemens und Infineon, aber auch von den deutschen Töchtern amerikanischer Unternehmen wie IBM und Hewlett-Packard ist zu hören, dass sehr wohl über eine Verlagerung von Arbeitsplätzen im großen Stil nachgedacht wird, auch solchen in Forschung und Entwicklung. Ingenieure in China seien genauso gut wie deutsche, würden aber deutlich mehr arbeiten und wesentlich weniger kosten, so ein Manager von Siemens.

Verfasst von: Bernd Reder am 30.03.04, 16:16
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