Pilotprojekt in Großbritannien: Zum Gottesdienst in die Online-Kirche

Es besteht kein Zweifel darüber, dass das Internet unser Leben nachhaltig verändert hat - und das auch in Zukunft tun wird. Bei manchen Entwicklungen stellt sich jedoch die Frage, ob sie visionär, konsequent oder einfach nur skurril sind. Das gilt auch für die angeblich erste "Virtuelle Kirche" der Welt, die in zwei Wochen in Großbritannien an den Start gehen soll. Nach einem Bericht von BBC und dem News-Dienst Ekklesia nimmt dort im Mai die "Church of Fools" den Testbetrieb auf.

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In der "Church of Fools" nehmen Gläubige und der Priester in Form Comic-Figuren an der Messe teil. (Bild: BBC)

Die virtuelle Kirche ist eine Idee von Simon Jenkins, dem Chefredakteur des christlichen Online-Magazins Ship of Fools. Der Besucher findet sich in einer 3D-Welt wieder, in der jeder Gläubige und der Priester durch Figuren im Comic-Stil repräsentiert sind. Die virtuellen Kirchenbesucher können miteinander oder mit dem Pfarrer sprechen, dessen Predigt "lauschen" oder sich nach dem Gottesdienst zu einem Plausch verabreden. Die Gespräche werden in Form von Sprechblasen angezeigt.

Den Segen der Kirchenoberen für seine "Church of Fools" hat Jenkins zwar noch nicht, aber er geht davon aus, dass sie ihm keine Steine in den Weg legen. Denn selbst der Erzbischof von Canterbury zeigt sich neuen Formen des Betens gegenüber offen. So propagiert er "Kirchen-Cafes". Auch die Diözese Oxford bastelt eifrig an einer eigenen virtuellen Kirche, der "I-Church" (das "I" steht wohl für "Internet"). Sie soll Gläubigen offen stehen, die nicht in der Lage sind, ihre Wohnung zu verlassen oder einfach keine Lust haben, am Sonntag in aller Herrgottsfrühe aufzustehen und zum Gottesdienst zu gehen.

Wie die I-Church aussehen wird, steht noch nicht fest. Allerdings will die Diözese andere Wege gehen als die Church of Fools und auf 3D-Repräsentanten der Kirchgänger verzichten. Stattdessen ist vorgesehen, dass die Gläubigen via Web-Chat oder Instant Messaging kommunizieren, eventuell auch mittels Videoübertragung über das Internet.

Verfasst von: Bernd Reder am 16.04.04, 15:32
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