Microsoft zu Trends im Mobile Computing: Das Handy als Web-Server
In einem Interview mit der Seattle Times gab Michael Wehrs, Director of Technology and Standards in Micosofts Mobile Devices Division, einen Ausblick auf die Entwicklungen im Mobilfunkmarkt - natürlich aus Sicht des Software-Riesen aus Redmond. Hier eine kurze Zusammenfassung.

Handys werden mit Gigahertz-Prozessoren ausgestattet sein und als Web-Server dienen: Michael Wehrs, Director of Technology and Standards der Mobile Devices Division von Microsoft. (Foto: Microsoft)
Eines der Kernthemen, so Wehrs, mit denen sich Microsoft derzeit beschäftigt, sind neue User Interfaces für mobile Geräte, speziell Telefone. Wehrs zufolge werden programmierbare, applikationsspezifische Softkeys in Kürze die klassischen Tasten ablösen. Die Bedienelemente ändern dann je nach Anwendung ihr Aussehen und ihre Funktion.
Sobald Handys oder Smartphones über leistungsstärkere Prozessoren verfügen, werden diese Softkeys durch eine Sprachsteuerung ergänzt, so der Manager. Diese Funktion soll weit über das hinausgehen, was Handys bereits seit einiger Zeit bieten, nämlich das sprachgestützte Wählen.
Eine interessante Erklärung liefert Wehrs für das Engagement, das Microsoft bezüglich einer neuen ".mobile"-Toplevel-Internet-Domain an den Tag legt. Im März hatte ein Konsortium, dem Carrier und Hersteller von Mobilfunkgeräten angehören, bei der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) beantragt, dass künftig auch Internet-Adressen mit den Domänen "mobi" und "mobile" vergeben werden sollen, etwa nach dem Muster bernd.reder@xyz.mobile. Eine solche Domain ist laut Wehrs notwendig, um Handys und Smartphones in Web-Server zu verwandeln. Damit könnte der User dann beispielsweise Freunden und Familienangehörigen ermöglichen, via Web auf Daten wie Fotos zuzugreifen, die auf seinem mobilen Gerät "lagern".
Dazu folgender Kommentar meinerseits: Angesichts der Sicherheitslücken, die Software aller Art nun einmal in der Regel aufweist (und beileibe nicht nur Programme aus Redmond!), hätte ich kein besonders gutes Gefühl, wenn mein Handy, Smartphone oder persönlicher digitaler Assistent (PDA) als Server agieren würde. Das setzt voraus, dass die Software-Entwickler mit erheblich größerer Sorgfalt zu Werke gehen und wasserdichte Security-Mechanismen zur Verfügung stehen.
Dies ist übrigens eine Forderung, die auch ein Komitee der National Cyber Security Partnership Task Force (NCSP) in den USA erhoben hat. Die NCSP wurde 2003 auf Initiative der US-Regierung ins Leben gerufen, um die Informations-Infrastruktur der Vereinigten Staaten gegen Cyber-Terror zu schützen. Die Industrie müsse deutlich mehr und bessere Sicherheitsfunktionen in ihre Software integrieren und zudem die Nutzer in wesentlich stärkerem Maße über Risiken aufklären, so der Bericht des Komitees (siehe dazu auch einen Artikel von Infoworld. Der komplette Bericht ist auf der Web-Site von Cyber Security Partnership zu finden.)
Nun zurück zu den Visionen von Microsoft-Manager Michael Wehrs. Ähnlich wie viele Mobilfunk-Carrier erwartet er, dass der Transfer von Daten zu Lasten von Sprache im Mobilfunksektor deutlich an Gewicht gewinnt. Nach meinem Geschmack hört sich das ein wenig nach "Marketing-Blabla" an. Denn die Erfahrungen mit UMTS in Europa haben gezeigt, dass es nicht ausreicht, eine datenorientierte Mobilfunktechnik zu installieren. Entscheidend sind die Applikationen. Selbst Unternehmen sind nicht mehr bereit, ohne entsprechenden Gegenwert ihren Mitarbeitern üppige Etats für die Mobilkommunikation zuzugestehen.
Was Linux, oder besser gesagt Embedded Linux, in mobilen Geräten betrifft, hat Wehrs, wie nicht anders zu erwarten, eine eindeutige Position: Es sei wesentlich teurer, ein Mobiltelefon oder einen PDA und die dazu passenden Applikationen auf Basis von Open-Source-Software zu entwickeln als auf Grundlage von Microsofts "Windows Mobile for Smartphones". Alleine für sich betrachtet sei Linux preisgünstiger, im Verbund mit einem kompletten mobilen System jedoch nicht.
Was die Hardware betrifft, geht Wehrs davon aus, dass "Moore's Law" (Die Zahl der Transistoren auf einem Chip verdoppelt sich jedes Jahr) auch in der Mobilkommunikation greift. In fünf Jahren würden mobile Geräte mit einem Gigahertz-Prozessor und einem halben Gigabyte Speicher ausgestattet sein. Dank Strom sparender CPUs und Displays sowie leistungsstärkerer Akkus könnten die Systeme zudem einen ganzen Tag Dauerbetrieb verkraften.
Ob das dann wohl auch für Geräte gilt, die unter Windows laufen, das bekanntermaßen ja nicht gerade sparsam mit Ressourcen umgeht? "Schaun mer mal", wie es in Bayern heißt!
Verfasst von: Bernd Reder am 20.04.04, 15:08
