Fujitsu mit Handy für Mobilfunknetz und Wireless LAN
Es erinnert ein wenig an das Smartphone T610 von Sony Ericsson, ist aber der Protagonist einer neuen Generation von Mobilfunkgeräten. Denn der Prototyp, den Fujitsu zusammen mit der japanischen Firma Net-2Com vorstellte, "spricht" gewissermaßen zwei Sprachen: Mit dem Gerät kann der Benutzer nicht nur über ein normales Mobilfunknetz telefonieren oder Daten austauschen, sondern auch über Wireless LANs (WLANs) auf Basis des Standards IEEE 802.11b.

Über Wireless LANs und Mobilfunknetze telefonieren: Fujitsu will ein Handy auf den Markt bringen, das beide Welten vereint. (Foto: Fujitsu)
Angeblich handelt es sich bei dem Gerät um das weltweit erste Mobiltelefon, mit der User zwischen einem Wireless LAN und Mobilfunknetzen hin und her wechseln kann, ohne dass dabei die Verbindung abreißt. Dieses "Seamless Handover" setzt allerdings voraus, dass der Nutzer über Accounts bei den diversen Netzbetreibern verfügt, deren Dienste er nutzt, sei es einem Mobilfunk-Carrier oder Betreiber eines öffentlich zugänglichen WLANs. Dies wird mit separaten Compact-Flash-Karten (CF Cards) für die einzelnen Netztypen bewerkstelligt, die der User in das Handy oder besser gesagt Smartphone einschiebt.
Wie das Forschungslabor von Fujitsu und Net-2Com erläuterten, soll das Telefon unter Betriebssystemen laufen, die derzeit bei digitalen Assistenten (Personal Digital Assistants, PDAs) zum Einsatz kommen. Zunächst unterstützt das Gerät Windows CE .NET 4.2., doch soll auch Linux hinzukommen. Wann das der Fall sein wird, ist noch offen. Dagegen scheinen Symbian und Palm OS schlechte Karten zu haben. Als Prozessor kommt ein PXA273 von Intel zum Zuge.
Im Herbst soll das Gerät in China und Japan auf den Markt kommen. Wenn es dort erfolgreich ist, dürfte Fujitsu auch darüber nachdenken, es in anderen Ländern in Asien und Europa anzubieten. Als "Killer-Argument" könnte sich allerdings erweisen, dass die Technik, die Net-2Com für den Transport von Sprache über das Internetprotokoll (Voice over IP, VoIP) verwendet, proprietär ist. Hinzu kommt, dass das Roaming zwischen WLAN-Hotspots nur dann möglich ist, wenn diese eine Software von Fujitsu einsetzen, welche die User authentifiziert. Das schränkt das Einsatzgebiet des Smartphones erheblich ein, es sei denn, Fujitsu entschließt sich, seine Politik zu ändern. Und das wiederum wird nur dann der Fall sein, wenn sich genügend Interessenten in westlichen Ländern und Asien finden. Ein klassisches Henne-Ei-Problem also.
Verfasst von: Bernd Reder am 10.07.04, 18:07
