USA: Fernsehen und Film via Internet gewinnt an Fahrt
Einige Unternehmen in den Vereinigten Staaten, darunter Microsoft, schicken sich an, dem Internet-TV-Markt neues Leben einzuhauchen. Jüngstes Beispiel ist Akimbo, eine Firma aus San Mateo in Kalifornien. Wie das Wall Street Journal berichtete, ist es Firmenchef Josh Goldman gelungen, zwölf Millionen Dollar Risikokapital aufzutreiben, unter anderen vom renommierten Venture-Capital-Unternehmen Kleiner Perkins Caufield & Byers, das auch Google und Amazon.com Anschubhilfe gab.

Bis zu 200 Stunden TV-Programme und Filme auf Lager: Die Settop-Box von Akimbo wird an das TV-Gerät und einen Internet-Zugang angeschlossen. (Bild: Akimbo)
Akimbo geht einen anderen Weg als Firmen wie WebTV Networks: Statt das Fernsehgerät zu einer Internet-Surfmaschine zu machen, lädt eine Art Settop-Box, die mit dem Fernsehgerät verbunden ist, die TV-Sendungen oder Spielfilme über eine Internet-Verbindung herunter. Dabei kann es sich um einen Kabelanschluss oder einen DSL-Anschluss (Digital Subscriber Line) handeln. Die Settop-Box soll etwa 230 Dollar kosten. Hinzu kommen 10 Dollar Gebühr pro Monat für den Online-Service von Akimbo, der den Content zum Nutzer transportiert.
Im Gegensatz zu herkömmlichen Video-on-Demand-Diensten, die beispielsweise die Betreiber von TV-Kabelnetzen anbieten, werden die Programme und Filme nicht sofort abgespielt, sondern können auf der Settop-Box gelagert werden. Der User hat so die Möglichkeit, einen Film oder eine TV-Serie dann anzusehen, wenn er Lust dazu hat. Die Box speichert angeblich bis zu 200 Stunden Programm. Sie verfügt über eine Festplatte mit 80 GByte Kapazität, einen Ethernet-Anschluss und eine Wireless-LAN-Schnittstelle.
Ein "Knackpunkt" des Ansatzes ist, dass der User nicht die freie Wahl hat, welche Filme oder TV-Sendungen er herunterladen kann. Akimbo ist Partnerschaften mit TV-Gesellschaften und Filmfirmen eingegangen, die das Material beisteuern.
Einer der schärfsten Konkurrenten von Akimbo ist derzeit TiVo. Ähnlich wie Akimbo stellt die Firma Ihren Kunden einen digitalen Videorecorder zur Verfügung, der je nach Modell 40, 80 oder 120 Stunden Programm, Filme, digitale Fotos oder Musik-Dateien Filme speichert. Der dazu gehörige Service, den Kabel-TV-Anbieter sowie Anbieter von Satelliten- und terrestrischen Fernsehsendungen speisen, kostet 13 Dollar im Monat. Außer in den USA ist der Dienst derzeit nur in Großbritannien verfügbar. Dort kooperiert die Firma mit BSkyB. Die Programminformationen holt sich die TiVo-Box über die Telefonleitung, den Content über Kabel-TV-Leitungen, Satelliten oder eine Hausantenne. Im kommenden Jahr will das Unternehmen eine Lösung anbieten, die komplett auf Internet-Verbindungen aufsetzt.
In dieselbe Richtung wie TiVo und Akimbo zielt ein ganz Großer der IT-Szene: Microsoft mit der "Media Center Extender"-Technik. Microsoft-Chef Bill Gates gab Details dazu Anfang des Jahres auf der Consumer Electronics Show in Las Vegas bekannt. Beim Media Center Extender handelt es sich ebenfalls um eine Settop-Box, die einen PC unter der Windows XP Media Center Edition mit dem Fernsehgerät "kurzschließt". Der User kann dann über ein Funknetz oder Ethernet Filme oder Musikstücke, die auf dem Windows-PC liegen, auf TV-Geräte sowie Audio- und Video-Player übertragen und auf diesen Systemen abspielen. Die Settop-Box soll etwa 200 Dollar kosten.
In Deutschland versucht derzeit die Telekom-Tochter T-Online, mit T-Online Vision on TV einen vergleichbaren Service zu etablieren. Als Hardware kommt das Activy Media Center von Fujitsu-Siemens zum Einsatz. Es verfügt über einen digitalen Videorecorder mit 240 Stunden Kapazität sowie einen DVD-Player. Das System wird an das Fernsehgerät und über Wireless LAN oder Kabel an T-DSL angeschlossen. Allerdings wird das Activy Media Center offenbar noch nicht so recht von den Anwendern akzeptiert, wie Fujitsu-Siemens Anfang Juli einräumte. Daran dürfte auch der stolze Preis von rund 1300 Euro nicht ganz unschuldig sein.
Noch in diesem Jahr will T-Online eine weitere Settop-Box für Vision on TV vorstellen. Lieferant ist der koreanische Konzern Samsung.
Verfasst von: Bernd Reder am 17.07.04, 00:29
