US-Studie: Das Internet als Feind der klassischen Bildung?
Literatur spielt für die Amerikaner eine immer geringere Rolle. Zu diesem Resultat kommt eine Studie der National Endowment of the Arts, einer nationalen Stiftung, die sich der Förderung von Kunst und Kultur verschrieben hat. Demnach sank der Anteil der Erwachsenen, die sich wenigstens ab und zu einen Roman oder einen Gedichtband zu Gemüte führt, zwischen 1992 und 2002 von 54 Prozent auf 46,7 Prozent. Knapp über 43 Prozent der Befragten gaben an, dass sie überhaupt kein Buch lesen, also auch keine Fachliteratur. Als Grund für die steigende Lesemüdigkeit machen die Autoren der Studie erstaunlicherweise nicht das Fernsehen verantwortlich. Eine Schlüsselrolle könne vielmehr das Internet spielen, vermuten die Fachleute, ohne allerdings hieb- und stichfeste Beweise dafür vorzulegen.
Die Untersuchung ergab, dass "Leser" pro Tag im Schnitt 2,7 Stunden vor dem Fernseher verbringen, Menschen, die nur selten zum Buch greifen, dagegen 3,1 Stunden. Der Unterschied ist somit relativ gering. Die Autoren der Untersuchung vermuten daher, es könne ein Zusammenhang mit der starken Zunahme von Internet-Anschlüssen in US-Haushalten und der sinkenden Lesefreudigkeit bestehen. Diese habe am stärksten in der Altergruppe zwischen 25 und 44 Jahren abgenommen, einer Schicht, in der jeder zweite zu Hause über einen Internet-Zugang verfüge. Diese Gruppe zeichne sich durch eine überdurchschnittliche Bildung aus. Sie kommt somit eher als potenzielle Nutzer von Schöngeistigem in Betracht als weniger gebildete Bevölkerungsteile. Daher sei diese Tendenz umso bedenklicher.
Immerhin konnte die Untersuchung auch dem Internet einen positiven Aspekt abgewinnen: Immerhin 9,2 Prozent der Amerikaner oder 19 Millionen Menschen nutzen es, um mit anderen über Literatur zu diskutieren.
Und wie sieht es in Deutschland aus? In einem Beitrag auf der Web-Seite des Goethe-Instituts vom Mai dieses Jahres zitiert der freie Journalist Eugen Emmerling mehrere Untersuchungen von Verlagen, Medienhäusern und Meinungsforschern. Fazit: Das Buch konnte seine Position nicht nur halten, sondern sogar leicht ausbauen. Allerdings kommt eine Studie des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels vom Frühjahr 2004 zu dem Schluss, das vor allem bei den Jungs zwischen 10 und 15 Jahren das Spielen am PC und das Surfen im Internet zunimmt - zu Lasten des Lesens. Weniger lesefaul seien Mädchen, auch solche, die sich für Computer begeisterten.
Verfasst von: Bernd Reder am 18.07.04, 13:20
