Merkwürdig: Nokia wirbt im Fernsehen für ein Handy, das nicht lieferbar ist

nokia_06_09_04.jpgMit dem Handy Nokia 6230 hat der finnische Hersteller offenbar wieder einmal einen Treffer gelandet. In Fachmagazinen wie Connect erhielt das Mobiltelefon gute Noten. Entsprechend groß ist die offenkundig die Nachfrage. Denn als ich vergangene Woche bei T-Mobile das schmucke Gerät als Ersatz für mein defektes Handy ordern wollte, teilte mir der Mobilfunk-Carrier mit, das 6230 sei "bis auf weiteres" nicht lieferbar".

Schön, aber leider nicht verfügbar: Obwohl es wegen der hohen Nachfrage derzeit nicht zu haben ist, wirbt Nokia für das 6230 in TV-Spots. Handelt es sich dabei um eine ganz ausgefuchste Marketing-Strategie? (Foto: Nokia)

Das alleine wäre schon grotesk genug, hat doch der Konzern Erfolge bitter nötig. Denn in den vergangenen Monaten ging der Marktanteil des Branchen-Primus zurück. Erst im zweiten Quartal gelang es den Finnen, ihre Position zu stabilisieren. Der Beratungsgesellschaft Gartner zufolge betrug der Anteil von Nokia an der Zahl der weltweit verkauften Handys im zweiten Quartal 29,7 Prozent, nach mehr als 38 Prozent im selben Zeitraum des Vorjahrs. Auf den folgenden Plätzen rangierten Motorola mit 15,8 Prozent und der koreanische Anbieter Samsung mit 12,1 Prozent. Insgesamt prognostiziert Gartner für das Jahr 2004, dass weltweit rund 650 Millionen Mobiltelefone einen Abnehmer finden – ein Rekordwert.

Umso merkwürdiger ist, dass Nokia trotz der Lieferprobleme beim 6230 für dieses Mobiltelefon TV-Werbespots ausstrahlen lässt, etwa heute bei Pro 7. Der tiefere Sinn dieser Marketing-Aktivitäten bleibt im Verborgenen. Denn wenn die Aussage von T-Mobil stimmt, sprich dieses Modell ist derzeit nicht verfügbar, macht es wohl kaum Sinn, für eben dieses Gerät zu trommeln. Der Effekt bestünde höchstens darin, Interessenten vor den Kopf zu stoßen. Oder sollte etwa T-Mobile gelogen haben?

Jedenfalls erscheint es, vorsichtig formuliert, nicht ganz schlüssig, dass ein Hightech-Konzern Werbegelder "verbrät", die seine Kunden bekanntermaßen über den Kaufpreis mittragen, um fragwürdige Effekte zu erzielen.

Vielleicht macht es ja ein Konkurrent von Nokia besser: Ich bin schon darauf gespannt, welche Marketingmaßnahmen sich die Mobilfunksparte von Siemens einfallen lässt, um die Schlappe mit den defekten Handys der 65er Serie vergessen zu machen. Nachdem der Hersteller die Software der Geräte modifiziert hat, haben Netzbetreiber wie O2 und T-Mobile sie erneut ins Programm aufgenommen. Ein Bug hatte dazu geführt, dass die Telefone eine extrem laute Melodie abspielten, wenn sie wegen eines leeren Akkus herunterfuhren.

Verfasst von: Bernd Reder am 06.09.04, 14:52
Kommentare

Das heisst zunächst mal nur, das T-Mobil keine rosa verschandelten Geräte liefern kann. Karstadt bewirbt das Handy im O2-Trimm und da sind sie vorrätig.


Verfasst von: Volker Weber am 06.09.04, 16:31

Hallo Volker, in der Tat lässt sich über die Farbe "Rosa" trefflich streiten. Besonders sexy ist sie wohl nicht, vor allem bei Handys, die eher auf den Business-User zielen. Klagen darüber, dass das 6230 lange Lieferzeiten hat, finden sich in diversen News-Groups, auch von Leuten, die nicht bei T-Mobile nach dem Telefon gesucht haben. Die Probleme begannen im Juli und setzten sich im August fort.

Etliche Online-Shops behaupten, sie hätten das 6230 vorrätig, viele machen jedoch zur Verfügbarkeit keine Angaben. Das deutet doch auf eine Verknappung hin. Aber für Nokia-Kunden ist das ja nichts Neues.



Verfasst von: Bernd am 06.09.04, 22:16
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