Bloggen kann den Job kosten

Ein Artikel vom 13. Dezember in der Financial Times Deutschland geht auf einen Aspekt des Bloggens ein, der wohl auch in Deutschland nicht zu unterschätzen ist: mögliche arbeitsrechtliche Folgen für den Blogger. Denn wer über sein Weblog seinen Arbeitgeber beschimpft oder betriebsinterne Informationen ausplaudert, kann abgemahnt oder gar entlassen werden.

Entsprechende Fälle gab es bereits in den USA, etwa den von Michal Hanscom. Microsoft warf ihn hinaus, als er ein „inkriminierendes“ Foto auf sein Weblog stellte. Es zeigte, wie auf dem Firmengelände von Microsoft Rechner von Apple angeliefert werden.

Auch in Deutschland können Beiträge in Weblogs solche Konsequenzen nach sich ziehen. Die Auffassung, dass ein Weblog nichts weiter als ein elektronisches Tagebuch und daher der Privatsphäre zuzurechnen sei, ist nicht haltbar. Blogs sind in der Regel nicht nur einer geschlossenen Benutzergruppe zugänglich, sondern jedem, der einen Internet-Zugang hat. Und das bedeutet, dass dann dieselben Regeln gelten wie bei allen öffentlichen Meinungsäußerungen, sei es in Form von Leserbriefen, Beiträgen in gedruckten Medien, Aussagen in Talkshows oder Reden.

Selbst Ehrenrunden in einem Fußball-Stadion können als geschäftsschädigende Meinungsäußerung interpretiert werden, wie wir seit der Entlassung von Ralf Rangnick wissen, dem ehemaligen Trainer des Fußball-Bundesligisten Schalke 04.

Ein interessanter Aspekt, den die Autorin Monja Peterdamm im FTD-Beitrag anspricht: Firmen durchforsten neuerdings das Internet nach Blogs, die ihre Mitarbeiter betreiben oder die potenzielle neue Kollegen unterhalten. Worüber jemand auf welche Weise bloggt, entscheidet darüber mit, ob er als Kandidat für eine bestimmte Position in Frage kommt oder nicht. Wer freimütig über die Branche herzieht, in der er aktiv ist, oder gar seinen aktuellen Arbeitgeber anschwärzt, verringert seine Chancen.

Allerdings tut sich hier eine Zwickmühle auf: Ist es noch statthaft, sich beispielsweise kritisch mit fragwürdigen Entwicklungen in einer Industrie oder einem Gewerbe auseinandersetzen, selbst wenn man selbst darin tätig ist? Oder sollte man lieber nur noch unverfänglich über den letzten Urlaub oder die Rosenbeete im eigenen Garten schreiben – kurzum Unverfängliches publizieren?

Meiner Ansicht nach würde Blogging viel von seiner Spontanität und Frische verlieren, würden Blogger nur noch mit einer Schere im Kopf agieren und jede Aussage auf „policital correctness“ abklopfen. Natürlich haben beleidigende, rassistische oder Gewalt verherrlichende Aussagen in einem Blog nichts verloren. Aber wenn Bloggen bedeutet, ein potemkinsches Dorf zu errichten, das nur dabei helfen soll, die nächste Karrierestufe zu erklimmen – nein Danke.

2 Kommentare

  1. Kommentar von Annerose am 13.12.06 17:57:

    Das finde ich auch richtig so. Ob nun gebloggt wird oder nicht. Ich bin generell der Meinung, dass nichts ausgeplaudert werden darf.

  2. Kommentar von streax am 26.07.07 14:27:

    Kommt drauf an, was man ausplaudert!

    Ich habe bei mir im Arbeitsvertrag drin stehen, dass ich dafür Zivilrechtlich belangt werden kann, wenn ich Informationen, Fertigungsprozesse etc. an dritte (egal in welcher form) weitergebe und dem „Geschädigten“ dadurch Schaden entsteht.

    Solange ich aber auf öffentliche Problematiken (Die auch gerne Totgeschwiegen oder Abmildernd geschildert werden – Klar, vor Kunden meines Arbeitgebers wären manche Umstände wieder Schadensrelevant, da sich vielleicht der eine oder andere Kunde die Zusammenarbeit überlegen würde.) in einer bestimmten Branche eingehe, egal welche Firmenmarke dahintersteckt denke ich, das es rechtens ist, wenn ich diese öffentlich ankreide. Abgesehen davon glaube ich aber dennoch nicht, das sich dadurch etwas ändern wird!!!