Brockhaus-Sprecher glänzt mit unverlässlichen Informationen über die Wikipedia

Brockhaus-Sprecher Holoch kritisiert, wie schon vor ihm viele seiner Kollegen aus der traditionellen Verlagswelt, die mangelnde Qualität der Wikipedia. Was ich an dieser Äußerung interessant finde, ist nicht ihr Inhalt, sondern die Art und Weise, wie sie begründet wird.

Eigentlich sollte man erwarten, dass der Sprecher eines wissenschaftlichen Verlags hier mit handfesten, nachprüfbaren Argumenten aufwartet. Neben der bloßen Behauptung findet sich zumindest in den Berichten über seine Äußerungen lediglich der Hinweis auf eine „„Untersuchung““, bei der man in der Wikipedia eine hohe Zahl von Rechtschreibfehlern gefunden hatte.

Dieses Ergebnis ist vielleicht nicht besonders überraschend. Außerst fragwürdig ist dabei aber die Methode, mit der vorgegangen wurde. Ganze zwölf Beiträge wurden untersucht. Man muss kein Statistiker sein, um zu wissen, dass das alles andere als signifikant ist. Von einem wissenschaftlichen Standpunkt aus gesehen ist so eine Arbeit natürlich vollkommener Blödsinn. Einem Studenten im ersten Semester würde man so etwas um die Ohren hauen.

Wenn nun ein Sprecher eines renommierten Verlags wie dem Brockhaus sich zu einem Verweis auf so eine „Studie“ hinreißen lässt, muss einen das schon nachdenklich stimmen. Man kann nur hoffen, dass die Fachredakteure des Brockhaus inzwischen nicht ähnlich unverlässliche Quellen heranziehen.

Golem: Brockhaus kritisiert Wikipedia

3 Kommentare

  1. Kommentar von Timo Thalmann am 8.08.05 11:42:

    Vor allem sollte man sich mal die angeblich so zahlreichen Rechtschreibfehler in den untersuchten Texten anschauen: Es handelt sich zumeist um Leerzeichen an falschen Stellen, etwa vor und hinter einem Komma, oder falsche Reihenfolge von Punkt und Anführungszeichen bei Zitaten. Bisweilen sind auch neue und alte Rechtschreibung durcheinander geraten, aber das ist ja kein Problem von Wikipedia allein.
    Unterm Strich ist der Vorwurf, Wikipedia strotze vor Rechtschreibfehlern, einfach lächerlich, angesicht der tatsächlichen Befunde. Da waren echte Erbsenzähler am Werk.
    Die traditionellen Lexikon-Verlage kriegen einfach kalte Füße, weil ihnen ihre vermeintliche Hoheit über das gesammelte Wissen verloren geht. Das führt dann zu solchen unüberlegten Äußerungen.

  2. Kommentar von Michael Pietroforte am 9.08.05 21:39:

    Diese kalten Füße kommen auch nicht von ungefähr. Wenn ich mich rechte entsinne, hatte irgendwann mal ein Brockhaus-Vertreter verlautbart, dass es den Brockhaus niemals auf CD-ROM geben würde. Nun ja, dann hat die Encarta den Markt für Enzyklopädien auf Papierstapeln etwas ausgedünnt. Und jetzt kommt da schon wieder etwas Neues. Das ist einfach zu viel für die ultrakonservative Verlagswelt.

  3. Kommentar von Peter am 21.07.07 11:29:

    Naja, wenn ich mir die Zeit nehmen würde, die Rechtschreibfehler in den Wikipedia-Artikeln, die ich im Verlauf einer Woche aufrufe, zu korrigieren, dann hätte ich ein neues Hobby.

    Vor allem scheint mir, dass immer mehr Leute bei Wikipedia schreiben, die eher Rütlischüler als Leute mit Abitur sind.