Creative Reporter: Blogger erhalten 10 Dollar für 1000 Pageviews

Creative Weblogging bietet Bloggern jetzt die Möglichkeit, dort eigene Texte zu publizieren. Für 1000 Pageviews erhalten sie 10 Dollar. Creative Reporter nennt man die bezahlten Blogger dort.

Die 10 Dollar sind übrigens durchaus realistisch. Bevor man das jetzt aber für das eigene Weblog hochrechnet und sich auf den großen Reibach freut (vgl. Finanso.de), sollte man wissen, dass damit vermutlich nicht die Zahlen gemeint sind, die die üblichen Statistikprogramme ausgeben.

Diese rechnen oft die Zugriffe der Suchmaschinen nicht heraus, zählen die Abrufe des RSS-Feed mit, berücksichtigen Referer-Spam nicht etc. etc. Wer AdSense in seinem Blog hat, weiß wovon ich rede. Das, was Google als Pageviews zählt, liegt in aller Regel eine Größenordnung niedriger. Und nur auf diese Zahl kommt es letztlich an. Ich möchte niemanden desillusionieren, aber nach meiner Erfahrung kann man die Ergebnisse der Statistikprogramme in ihrer Standardkonfiguration vergessen. Es sei denn, man macht sich die Mühe und rechnet das alles heraus. Einfacher ist es aber wahrscheinlich, gleich AdSense zu schalten.

Interessant an dem Creative-Reporter-Konzept ist, dass offenbar keinerlei Anforderungen an die Qualifikation der Blogger gestellt werden. Jeder kann da scheinbar mitmachen. Robert Basic mutmaßt, dass diese Art von „husch-husch Content“, wie er es nennt, langfristig nicht konkurrenzfähig sein wird. Er glaubt, dass Sites dieser Art durch Publikationen verdrängt werden, die auf qualifiziertere Autoren setzen. Ich denke, dass es für beide Typen genug Platz im Netz gibt. Bei den Offline-Publikationen gibt es ja auch qualitativ größere Unterschiede.

Wieso aber „ehemals begeisterte Schreiber durch die finanzielle Motivation verdorben werden“, verstehe ich nicht. Was ist schlecht daran, Texte zu schreiben, die für viele interessant sind?

Die andere Frage ist, was eigentlich guter oder schlechter Content ist, wer gut oder schlecht schreibt. Im Offline-Publikationswesen liegt die Entscheidung darüber bei einigen wenigen Verlegern und Redakteuren. Im Read/Write-Web, Web 2.0, oder wie immer man das nennen mag, gelten andere Regeln. So scheint es zumindest. Hier entscheidet das Web über die Qualität. Eine Vorauswahl durch Redakteure findet nicht mehr statt. Letztlich macht diese Arbeit jetzt der Google-Algorithmus in Zusammenarbeit mit der Web-Community.

Genau auf dieser Idee beruht wohl das Konzept des Creative Reporter. Mehr oder weniger jeder bekommt eine Chance. Wer gut schreibt, erhält viele Pageviews und wird dann dementsprechend dafür entlohnt. In jedem Fall halte ich das für ein interessantes Experiment.

2 Kommentare

  1. Kommentar von Flark Wen am 9.09.05 11:12:

    Ich finde das Konzept auch recht interessant und würde mich deshalb dafür interessieren, wie du deine Aussage „Die 10 Dollar sind übrigens durchaus realistisch.“ begründest. Ist das reines Bauchgefühl oder kannst du die Aussage untermauern?

  2. Kommentar von Michael Pietroforte am 9.09.05 21:24:

    In Weblogs, wo es nicht gerade um die typischen Blogger-Themen geht, kann man mit AdSense schon auf ein CPM von 10 Dollar kommen (vgl. Problogger). Organisationen wie Creative Weblogging haben außerdem die Möglichkeit, mithilfe von Sponsoren bessere Margen zu erreichen.