Firefox ist für den Einsatz im Unternehmen ungeeignet

Zu diesem Schluss kommt Paul Thurrott, ein angesehner Windows-Experte. Sein Artikel in der Windows IT Pro über den Open-Source-Browser ist ausgesprochen positiv und er bezeichnet sich selbst sogar als begeisterten Firefox-Fan. Doch für den Einsatz im Unternehmen ist Firefox seiner Ansicht nach nicht geeignet:

For many companies, then, Firefox is simply a nonstarter.


Als Gründe nennt er den vergleichsweise großen Aufwand für das Verteilen im Netz bzw. für die zentrale Konfiguration des Browsers. Ich habe bereits vor einiger Zeit ähnliche Argumente gegen den Einsatz von Alternativ-Browsern im Unternehmensnetz vorgebracht. Für den Firefox gilt im Prinzip das gleiche.

Während das Patchen des IE als Bestandteil des Betriebssystems im Netz in der Regel heutzutage mehr oder weniger automatisch abläuft, müsste man für den Firefox einen ganz erheblichen zusätzlichen Aufwand betreiben.

So schreibt Thurrott etwa, dass man beim Update auf die Version 1.0.1 den gesamten Browser neu installieren musste. Die im Firefox integrierte Update-Funktion ist dabei nutzlos, da man im Unternehmensnetz den Anwendern meist keine Installationsrechte einräumen will.

Zu bedenken ist außerdem, dass ständig neue Sicherheitslücken des Firefox bekannt werden und er aufgrund seiner großen Verbreitung nun auch ein attraktives Ziel für Bösewichte geworden ist. Ich glaube zwar nach wie vor, dass unabhängig vom verwendeten Browser das Sicherheitsrisiko beim gewöhnlichen Surfen vergleichsweise gering ist, aber ein sofortiges Einspielen der aktuellsten Patches ist ein absolutes Muss.

Übrigens, ich nutze den Firefox selbst seit einiger Zeit, aber nicht wegen seiner schönen Tabs oder weil ich mich beim Surfen damit sicherer fühle, sondern wegen seiner besseren Zoom-Funktion (STRG-Taste + Mausrad).

Windows IT Pro: What You Need to Know About Mozilla Firefox

17 Kommentare

  1. Kommentar von Tobias Mueller am 14.06.05 12:26:

    Firefox hat in diesem Zusammenhang extreme Defizite. Dennoch hatte ich einen Auftrag Firefox für eine große Organisation anzupassen. Auch mein Hinweis, daß sie sich an diese Version binden und bei einem Update alle Anpassungen nachgezogen werden müssen wurde nicht gewichtet.
    „Zuviele Sicherheitsprobleme mit dem IE…“ trotz Richtlinien etc.
    Der Softwareverteilungsaspekt spielte auch keine Rolle.
    „Wir haben Softwareverteilungssysteme.“

    Was Firefox gut tun würde, wäre definitiv ein zentrales Administrationstool das sich in ein Verzeichnis(z.B. ADS,LDAP..) integrieren lässt.

  2. Kommentar von Moe am 14.06.05 13:00:

    >Zu bedenken ist außerdem, dass ständig neue Sicherheitslücken des Firefox bekannt werden und er aufgrund seiner großen Verbreitung nun auch ein attraktives Ziel für Bösewichte geworden ist.

    Oh ich dachte immer das sei eines der Argumente gegen IE. Was die Updates angeht stimme ich allerdings zu.

  3. Kommentar von Michael Pietroforte am 14.06.05 21:21:

    @Tobias Mueller
    Vermutlich war das ein Unternehmen, wo die IT-Abteilung nicht so ganz ausgelastet war. Denn auch eine Lösung zur Softwareverteilung macht die Arbeit nicht von alleine. Pakete müssen erstellt werden, gestestet werden, die Verteilung muss überwacht werden, Fehler nachgebessert werden etc. Und das jedes Mal, wenn wegen einer Sicherheitslücke gleich der ganze Browser neu verteilt werden muss.

    Und wenn man schon aus Sicherheitsgründen den Browser wechseln will, dann wäre derzeit vermutlich Opera die erste Wahl, aber sicher nicht Firefox.

    @Moe
    Man sollte nicht immer alles glauben, was die Reklame verspricht 😉 Seit dem Erscheinen der 1.0-Version hat der Firefox sicherlich häufiger negative Schlagzeilen gemacht als der IE.

  4. Kommentar von Tobias Mueller am 14.06.05 21:50:

    @Michael
    Es handelte sich um ein IT-Unternehmen. Die Wahl fiel deswegen auf Firefox, weil dieser Browser quelloffen ist. Keiner auf dem Markt vorhandenen Browser deckte ihre Anforderungen ab, deshalb ließen sie Firefox auf ihre Belange anpassen.

  5. Kommentar von Michael Pietroforte am 14.06.05 21:58:

    @Tobias
    OK, das ist natürlich ein Argument.

  6. Kommentar von Scheunendrescher am 15.06.05 18:16:

    Schmarren. In unserem Unternehmen sind 50 Prozent der Arbeitsplätze schon auf Firefox umgestellt und alles läuft zur allerbesten Zufriedenheit der User und der Admins.

  7. Kommentar von Michael Pietroforte am 15.06.05 22:59:

    Niemand hat behauptet, dass der gute Firefox keine Zufriedenheit verbreiten könnte. Letztlich ist das eine Kosten-Nutzen-Frage. Und das hängt natürlich auch sehr von der Größe des Netzes ab. Auf meinen vier PCs zu Hause schnurrt der Firefox geradezu vor lauter Zufriedenheit.

  8. Kommentar von default_user am 16.06.05 12:11:

    @ Michael: Na, da hast Du aber Glück. Zumindest auf meinen SuSE-Kisten schnurrt der durch einen (alten und ungefixten) Bug der Novell-Tochter nicht mehr… ;-(

  9. Kommentar von Michael Pietroforte am 16.06.05 18:24:

    Das ist aber eigenartig. Sonst erzählt man mir immer, dass Linux-Distributionen mehr oder weniger in Echtzeit gepatched werden. 😉

  10. Kommentar von default_user am 20.06.05 13:58:

    SuSE macht da eine löbliche Ausnahme. Sie kopieren zumindest Teile des Erfolgsmodells Microsoft. 🙂

    Im Ernst: Seit SuSE zu Novell gehört, kann man die Distri in der Pfeife rauchen. SuSE 9.3 ist zum Beispiel die einzige Distribution, die auf AMD64 regelmäßig abstürzt… Red Hat wird sich freuen.

  11. Kommentar von hanno am 23.06.05 00:31:

    Den Mehraufwand sehe ich auch. Die Frage ist aber, was es dafür an Mehrwert zu haben gibt. Und diese Frage ist in der Einzelsituation, im konkreten Projekt, zu beantworten.

  12. Kommentar von Michael Pietroforte am 23.06.05 09:43:

    Das ist vollkommen richtig, aber man kann durchaus auch allgemeine Aussagen treffen. Für die meisten Unternehmen rechnet sich ein Umstieg sicher nicht. Außer dem Argument von Tobias fällt mir momentan kein weiteres ein, das einen Wechsel zu Firefox rechtfertigen würde. Und wie viele Unternehmen benötigen schon eine Brwoser-Engine, die man an die eigenen Bedürfnisse anpassen kann?

  13. Kommentar von noname am 24.06.05 13:15:

    @michael:
    was ist denn an der zoom funktion von firefox (strg + mausrad) besser wie an der zoom funktion (strg + mausrad) vom IE?

  14. Kommentar von Michael Pietroforte am 24.06.05 14:00:

    Die Zoomfunktion des IE funktioniert bei den meisten Webseiten nicht. Ein Beispiel ist http://www.sueddeutsche.de/. Die beste Zoomfunktion hat übrigens Opera. Da bleibt beim Zoomen auch das Layout erhalten. Den benutze ich nicht mehr, weil er mit meinem Online-Bookmark-Manager nicht harmoniert.

  15. Kommentar von noname am 24.06.05 17:41:

    ok, jetzt hab ichs gesehen, was an der zoom funktion besser ist ;).

    nicht nur, dass ich da nicht wirklich zoomen konnte
    http://www.sueddeutsche.de/
    sondern nach ca. 8 versuchen bluescreen und die meldung: „ein problem wurde festgestellt, windows wurde heruntergefahren, dass der computer nicht beschädigt wird. (w xp sp2 mit neuesten patches…).“

  16. Kommentar von Dave-Kay am 1.07.05 23:17:

    Ich habe das Ding bei uns versucht zu verbreiten-keine Chance!
    Fast allein genügt die Tatsache, dass ein unterschiedlicher Browser im Inter/Intranet genutzt werden müsste, was schon zu viel für die User ist(Reporting Services für SQL ist nur einer der Dinge, die falsch angezeigt werden(wobei die Schuldfrage völlig irrelevant ist))
    Was die Verteilung betrifft, ich dachte die 1.1 kommt als .msi und ist somit verteilbar?

  17. Kommentar von Michael Pietroforte am 2.07.05 18:07:

    MSI erleichtert im Allgemeinen die Verteilung, ist aber keine notwendige Vorraussetzung. Lösungen zur Softwareverteilung können im Grunde Pakete für jedes Programm erstellen. Es ist halt etwas aufwändiger. Ich habe selbst schon den Firefox 1.0 mit dem SMS verteilt. Das war kein Problem. Der Punkt ist aber, dass man beim IE nur die Patches verteilen muss, was in der Regel weitaus weniger aufwendiger ist. In großen Netzwerken spielt das schon eine Rolle.

    In der aktuellen C’t ist übrigens ein guter Artikel, der aufzeigt, dass der Firefox im Grunde die gleichen konzeptuellen Sicherheitsschwächen hat wie der IE. Es macht also derzeit tatsächlich keinen Sinn, aus Sicherheitsgründen vom IE auf den Firefox zu wechseln.