Firefox und das freie, sichere Web

Wenn man bedenkt, was für ein ideologisches Getue es um den Firefox bei seiner Prämiere gab und wie der freie HTML-Viewer heute dasteht, kann man sich eigentlich nur wundern.

Vor allem eine sichere Alternative zum Internet Explorer wollte man bieten. Die jüngsten Zahlen zeigen, dass der Firefox zumindest in Bezug auf die Zahl der Sicherheitslücken den IE längst abgehängt hat. 18 schwerwiegende Sicherheitslücken wurden von Symantec im ersten Halbjahr 2005 für den Open-Source-Browser registriert. Der IE kam im gleichen Zeitraum auf acht vergleichbare Sicherheitslecks.

Und nun lese ich gerade in der C’t, dass es auch mit dem zweiten großen Versprechen nicht mehr weit her ist. Den offenen Standards für ein freies und offenes Web wollte man sich verschreiben. Nach dem C’t-Bericht wird der Firefox 1.5 wohl um einen Standard erweitert, der nicht vom W3C abgesegnet wurde. Es geht dabei um die Unterstützung von Canvas, welches Bestandteil der Spezifikation Web Applications 1.0 ist.

Web Applications 1.0 wurde von der WhatWG (Web Hypertext Application Technology Working Group) ins Leben gerufen, eine Organisation, die von Apple, Opera und Mozilla genutzt wird, um Innovationen auszutauschen. Man muss wohl die WhatWG als eine Art Konkurrenz zum W3C ansehen. Einige Browser-Hersteller sind scheinbar mit der gemächlichen Gangart der Web-Behörde unzufrieden.

Zu all dem passt, dass man bei Mozilla jetzt auch kommerziell werden will. Für viele war der Firefox ja vor allem deshalb so attraktiv, weil es eben nicht um Kommerz, sondern hauptsächlich um eine Art ideologisch motivierten Freiheitskampf gegen das M$-Monopol ging.

Regelmäßige cyDome-Leser wissen, dass ich nicht gerade ein W3C-Fan bin und auch mit Software-Kommerz kein Problem habe. Was mich an dem ganzen Firefox-Hype so gestört hat, war vor allem die Vermischung von ideologischer und technischer Argumentation. Künftig kann man sich wohl bei Diskussionen um Browser-Technologie wieder auf Letzteres konzentrieren.

2 Kommentare

  1. Kommentar von Bernd Eckenfels am 21.09.05 23:05:

    Meine persönliche Statistiken sagen aus, dass die User es ähnlich sehen. Mit Security Webung zu machen ist inzwischen wirklich lachhaft. Und mit IE 7.0 werden wohl die User wesentlich weniger Gründe haben zu wechseln. Schade eigentlich.

    (Deine Meinung zu Canvas leuchtet mir nicht ganz ein, wieso sollte sich ein Browser auf W3C Recomendations begrenzen? Firefox benutzt schon von jeher properitäre Plugin und Scripting Schnittstellen oder auch IETF Technologien oder oder oder.. das ist doch kein Problem, solange man mindestens die W3C Recommendations anbietet).

    Gruss
    Bernd

  2. Kommentar von Michael Pietroforte am 21.09.05 23:22:

    >> das ist doch kein Problem, solange man mindestens die W3C Recommendations anbietet.

    Für viele Firefox-Fans ist das wahrscheinlich schon ein Problem. Das hört sich doch ziemlich nach „embrace and extend“ an. Ich habe damit überhaupt kein Problem. Aber das war es doch gerade, was man Microsoft immer vorgeworfen hat.