Gefährdet Red Hat duch die neue Lizenzpolitik die Stellung seiner Linux-Distribution als Quasi-Standard?

Nach Red Hats Ankündigung ab Mai 2004 für seine Linux-Distribution nur noch für die Enterprise-Ausgaben Support und Sicherheits-Updates anbieten zu wollen, stehen viele Unternehmen, die bislang nur die Endkundenversionen im Einsatz hatten, nun vor der Entscheidung entweder auf eine andere Distribution umzusteigen oder in den sauren Apfel zu beißen und pro Installation einen jährlichen Obolus von mindestens 179 Euro bis maximal 2899 Euro an Red Hat abzuführen.

Inwieweit das von Red Hat unterstützte Open-Source-Projekt Fedora tatsächlich in die Presche springen kann, ist indes noch fraglich. Berichten zu Folge hat diese Distribution mit erheblichen Stabilitätsproblemen zu kämpfen und kommt wohl zumindest in Produktivumgebungen noch nicht als Alternative in Betracht. Grundsätzlich ist denkbar, dass andere professionelle Distributoren dem Vorbild von Red Hat folgen werden, denn schließlich ist man nur am Dienstleistungsgeschäft interessiert und da ist offenbar im Privatkundenbereich wenig zu holen.

Langfristig könnte sich Sie diese Politik aber durchaus negativ auswirken. Sehr viele interessieren sich für Linux, eben weil es kein Produkt der nimmersatten Gates-Company ist. Wenn nun namhafte Linux-Distributoren dazu übergehen, aus Profitüberlegungen den Endkunden mit einer zweitklassigen Open-Source-Distribution abzuspeisen, trägt dies gerade unter den typischen Linux-Befürwortern sicher nicht zu einem positiven Image bei.

Bislang galt Red Hat Linux als internationaler Quasi-Standard unter der Vielfalt der „Linux-Betriebssysteme“, da zahlreiche Programmierer speziell dafür entwickelten. Gerade auch für viele deutsche Unternehmen war das ein wichtiger Grund sich für Red Hat und gegen das heimische Suse Linux zu entscheiden. Ob der typische Open-Source-Programmierer Red Hat die Stange halten wird und sich berufen fühlt, unter einem nun recht teuren Betriebssystem zu entwickeln, das sich nur noch an Enterprise-Kunden richtet, wird die Zukunft zeigen.

Computerwoche: Red Hat will nur noch Unternehmenskunden
PC World: Red Hat Drops Free Linux
OSDir.com: Bye Bye Redhat Linux, Hello Fedora & Redhat Enterprise Linux
OSnews: Fedora Core 1 is a Mild Disappointment
OSnews: Fedora Core Test 3 Review

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