Google contra Medienbanche

Jan-Bernd Meyer schlägt im Weblog der Computerwoche vor, einen Medienboykott gegen Google zu verhängen. Hintergrund ist eine Auseinandersetzung zwischen CNET und Google. In einem ausführlichen Artikel hatte Elinor Mills demonstriert, wie leicht es ist, mithilfe von Google an private Informationen von Personen zu gelangen. Besonders frech war natürlich, zu Demonstrationszwecken Details finanzieller Transaktionen von Google CEO Eric Schmidt bekannt zu machen. Daraufhin wurden Google-Mitarbeiter angeblich angewiesen, für ein Jahr Journalisten von CNET keine Informationen mehr zukommen zu lassen.

Bis vor kurzem war Google noch aller Liebling. Selbst in den Weblogs, die man zum linken Rand der Blogosphere zählen muss, wurde der Suchmaschinenmonopolist hoch in den Himmel gelobt. Dabei waren es nicht nur die technischen Leistungen, sondern vor allem die Doing-No-Evil-Philosophie, die viele so bewunderten.

Der CNET-Vorfall ist vermutlich nur der vorläufige Höhepunkt einer zusehends negativen Berichterstattung. Google scheint den gleichen Fehler zu begehen wie einst Microsoft. Durch eine Reihe äußerst ungeschickter Aktionen, die aus unternehmerischer Sicht vermutlich eh nur von zweitrangiger Bedeutung waren, hatte man die Medien gegen sich aufgebracht und damit die Anti-Microsoft-Bewegung ins Leben gerufen. Das Fatale daran ist, dass es sehr schwierig, vielleicht sogar unmöglich ist, ein negatives Image wieder loszuwerden. Mal sehen, wie lange es dauert, bis uns Schockwellenreiter & Co. mit einer „Leben-ohne-Google-Serie“ beglücken.

Natürlich wird man jetzt diesen Lapsus von Google auch bei CNET bis zum geht nicht mehr ausschlachten. Die britische Ausgabe von ZDNet legt auch schon mit einer freilich nicht ernst gemeinten „Entschuldigung“ nach. Ich glaube, einen besseren Gefallen hätte Google CNET nicht machen können.

Brisant an der Auseinandersetzung zwischen Google und den Medien ist die Tatsache, dass hier eine Konkurrenzsituation vorliegt. Denn im Grunde handelt es sich bei den Milliarden, die auf den Google-Konten landen, um Werbeeinahmen, die den traditionellen Medien durch die Lappen gegangen sind. Wer sich dafür interessiert, wie die Medien inzwischen auf den CNET-Vorfall reagieren, sollte mal in diesen Wired-Artikel reinschauen.

2 Kommentare

  1. Trackback von PR Blogger am 15.08.05 16:14:

    Seltsamer Google-Boykott

    Bisher zählte Google in der Medienöffentlichkeit immer eher zu den Guten. Doch so etwas kann sich schnell ändern. Nachdem die CNet-Reporterin Elinor Mills zahlreiche persönliche Informationen über Google-CEO Eric Schmidt vorstellte, die sie via Go…

  2. Pingback von Niko & Java » Google und das flaue Gefühl im Magen am 30.11.05 02:17:

    […] Nach all den Erfolgsstories rund um die Nasdaq-Liebling mehren sich in den letzten Monate die Zeichen, dass die Monopolisierung der Suchmaschinenlandschaft durch Google in vollem Gange ist. Mal ganz abgesehen davon, wie starken Einfluss (und Vorbildcharakter) ebengenannter für zukünftige Softwareentwicklung haben wird (siehe Ajax Hype). […]