Googles Erfolgsmodell: genial, simpel und leicht zu kopieren

So mancher ist beeindruckt von Googles Erfolgen, und ich will mich da nicht ausnehmen. Worauf Googles Erfolg basiert, wird jedoch häufig verkannt. Tim Orens These, dass man bei Google dem Kunden eine besonders hohe Wertschätzung zuteil werden lässt (In short, an emphasis on the customer.) ist sicher nicht der Schlüssel. Jedes erfolgreiche Unternehmen agiert so, das wäre nichts Neues. Nein, Googles Erfolg beruht im Wesentlichen auf einem anderen Grundprinzip: Der Kunde, dein bester Mitarbeiter.

Googles Dienste funktionieren alle nach einem ähnlichen Schema. Der Reihe nach:

Suchmaschine/Pagerank:
Während andere versuchen mit einer Heerschar von Mitarbeitern, ihren Lesern relevante Informationen auf dem Portal zu präsentieren, lässt Google seine Kunden diese Arbeit erledigen. Sie suchen für Google die relevanten Inhalte im Internet und verlinken darauf. Google braucht nur noch die Früchte dieser Arbeit (die Links) abzugreifen, et voilà, fertig ist das Portal.

AdWords:
Mitarbeiter einstellen, die sich um die Anzeigenaquise bemühen, die Werbekunden beraten und sich den Kopf zerbrechen über die passenden Preise für die Reklametafeln? Nicht notwendig. Wer Werbung auf Google schalten will, kann dies auf sehr unkomplizierte Weise über ein gut durchdachtes Interface erledigen. Das Wichtigste dabei ist aber die Preisgestaltung. Der Kunde übernimmt diesen Job für Google. Er stimmt darüber ab, wie hoch der Preis für die Werbung sein soll. Das machen die Werbenden selbst, die dadurch die Position der Werbung auf den Trefferseiten festlegen, aber auch die Google-Nutzer, die auf die Werbung klicken und damit ebenfalls auf den zu entrichtenden Preis Einfluss nehmen.

AdSense:
Ein weiterer wichtiger Aspekt, der auch bei Adwords zum Tragen kommt, ist die Frage, an welcher Stelle die Werbunge eingeblendet werden soll – Stichwort Contextual Ads. Da braucht man keine Marketingexperten, der Kunde ist dafür ja viel besser ausgebildet. Über den Text auf seiner Webseite beziehungsweise durch den eingegebenen Suchbegriff signalisiert er, mit welcher Werbung er gerne berieselt werden möchte.

Gmail:
Nein, nicht 1 GB Speicherplatz und auch nicht die Möglichkeit, die eigenen Mails durchsuchen zu können, ist das Revolutionäre an Gmail. Auch hier bittet man den Kunden zur Mitarbeit. In seinen E-Mails gibt er Google Hinweise auf die Reklame, für die er besonders empfänglich ist.

Aktienauktion:
Wer soll sich den passenden Preis für den Ausgabekurs der Aktien ausdenken? Spätestens jetzt sollte jeder das Denkschema der Google-Strategen Brin und Page durchschaut haben.

Einige dieser Ideen sind freilich geklaut. Das Pay-Per-Click-Verfahren etwa hat man von Overture übernommen und auch die Contextual Ads gab es wohl auch schon bevor Google sie einführte.

Doch das Grundprinzip, das Google immer erfolgreich umsetzt, stammt eigentlich von Ebay. Es ist die Übertragung des Auktionsmodells auf Internet-Anwendungen. Man lässt an allen Diensten den Kunden mitarbeiten, indem man in einer Art Abstimmungsverfahren für die Qualität des Angebotes sorgt. Das geschieht bei Google entweder per Klick oder indem man die vom Kunden gelieferten Eingaben oder Texte auswertet.

Leider kann man sich dieses relativ einfache Grundprinzip nicht patentieren lassen und da liegt Googles großes Problem für die Zukunft. Zunächst hatte man den Neuling nicht ernst genommen, doch jetzt, wo der Erfolg sich einstellt, stehen alle Aktionen des Shootingstars im Rampenlicht.

Dummerweise hat man extrem finanzkräftige Konkurrenten, die darüber hinaus über das notwenige Technologie-Verständnis verfügen und so in der Lage sind, jeden Schritt Googles relativ schnell zu kopieren. Und wenn man das recht simple Grundprinzip erst mal verstanden hat, sollte es auch nicht allzu schwierig sein, durch Nachahmung desselbigen Google die Vorreiterrolle abspenstig zu machen.

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5 Kommentare

  1. Kommentar von Sascha am 24.08.04 01:26:

    Ich habe heute (gestern) sinngemäß – und leider fällt mir gerade partout nicht ein wo – folgendes gelesen: Google hat vor allem deswegen einen Vorteil, weil sie riesige Features relativ einfach aufbauen können, das sie das entsprechende Know-How (Serverfarmen, Filesysteme, verteilte Anwendungen, …) bereits im Unternehmen haben. Wer sonst hätte ein Tool wie GMail mehr oder weniger aus dem Boden stampfen können? Sie haben sowohl das Know-How als auch die Infrastruktur und somit gleich zwei Vorteile gegenüber allen Mitbewerbern.

    Yahoo hat sich von Anfang an auf Content eingeschossen, Overture auf Werbung, Microsoft auf Portale, …

    Google eben vor allem auf die Technik und – wie schon erwähnt – auf die Nutzer.

    Und dem kann ich nur zustimmen.

    PS: Wenn ich den Link finde oder ihn jemand kennt… wird er gepostet.

  2. Kommentar von Markus Breuer am 24.08.04 06:36:

    Nein, ganz so einfach ist Googles Businessmodell nicht durch Nachahmung und Brute Force zu knacken. Was nicht heißt, dass Google niemand das Wasser reichen könnte. Microsoft und Yahoo stehen „auch nicht schlecht“ da und „hätten die Mittel“.

    Man sehe mir diese Eitelkeit nach, aber alles Weitere dazu möchte ich nicht noch mal abtippen sondern verweise auf folgende Links:

    google, die erste echte netz-company
    http://notizen.typepad.com/aus_der_provinz/2004/04/google_die_erst.html

    Ein Erfolgsgeheimnis von Google “ …
    http://notizen.typepad.com/aus_der_provinz/2004/06/ein_erfolgsgehe.html

    Wieso Google keine Suchmaschinen-Company ist (und Microsofts neue Suchtechnologie irrelevant)
    http://notizen.typepad.com/aus_der_provinz/2004/08/wieso_google_ke.html

    Mehr Google Bashing …
    http://notizen.typepad.com/aus_der_provinz/2004/05/mehr_google_bas.html

    Was wird Google’s nächster Coup?
    http://notizen.typepad.com/aus_der_provinz/2004/08/was_wird_google.html

  3. Kommentar von Wolfgang Miedl am 24.08.04 12:19:

    @Sascha: Ich vermisse wie bei den meisten pro-Google-Einlassungen die Marketingperspektive. Natürlich zweifelt keiner am Vorsprung durch Technik bei Google. Mir fällt dabei aber eine Parallele aus der Autowelt ein: Jeder Tester hat dem Golf V die genialste Hinterachskonstruktion am Markt bescheinigt. Nur: Der normale Autofahrer merkt nichts, VW kann also den „Mehrwert“ nicht vermarkten und sitzt nun auf Entwicklungs- und Herstellungskosten, die sich über den Produktpreis nur schwer einspielen lassen.

    Googles Erfolg ist auch in erster Linie ein Marketingerfolg: Zur rechten Zeit mit einer Suchmaschine gestartet, als alle andere das Wesentliche aus den Augen verloren haben. Der technische Vorsprung von Google ist beileibe nicht so groß, dass die Benutzermehrheit (und um nichts anderes geht es in diesem Geschäft) hier sich bewusst aus diesem Grund für Google entscheiden würde. Die Konkurrenz muss nur halbwegs vergleichbare Funktionen mit einer besseren Marketingstrategie verknüpfen, um Marktanteile zu gewinnen.

  4. Kommentar von sascha am 24.08.04 14:46:

    Gibt es überhaupt Marketing bei Google? Ich habe bisher noch nie dirkete Werbung von Google gesehen – nur Tools und Services von Google auf zig tausend Websites, auf denen alle mehr oder weniger gut sichtbar „Google“ prangt.

    Bisher hat das gereicht. Kommen jetzt Wettbewerber mit ähnlichen Diensten und offensiverer Vermarktung, wirds schwerer, aber nicht unmöglich. Selbst Menschen, die nur sporadisch online sind, kennen Google.

    Google hat einen enormen Vorsprung, auf dem sie sich aber nicht ausruhen dürfen – ich denke, darauf können wir uns einigen, oder?

  5. Kommentar von Wolfgang Miedl am 24.08.04 21:36:

    Bei Google gehen Marketing und PR Hand in Hand, da haben die in den letzten Jahren auch sehr respektable Arbeit geleistet: Absolut unscheinbarer, minimalistischer Auftritt, enorme Aussenwirkung. Was die „Produktvermarktung“ angeht, spielt sich hinter der Kulisse die ganze Latte von Dienstleistungen ab, die Michael aufgelistet hat – ist halt ein B2B-Geschäft, das kaum wahrgenommen wird.

    Darum spricht auch vieles dafür, dass Google die aufwändige Technik besser verkauft, als VW das tut.