Ist die Blogosphere eine geschlossene Benutzergruppe?

Auf SFGate.com ist ein längerer Artikel mit dem Titel "Bloggers find ways to profit" erschienen. Es werden die Themen behandelt, die in der Blogosphere alle schon rauf und runter diskutiert wurden. Verstößt die Kommerzialisierung gegen das Blogger-Ethos, wie kann man es versuchen, wenn einem das schnurz ist, etc. Einige wenige Blogger verdienen schon einige tausend Dollar im Monat, während andere gerade mal die Kosten für den Webhoster wieder hereinbekommen. Interessant fand ich allerdings einen anderen Punkt, der mich doch etwas überrascht hat.

Nämlich, dass 7% der erwachsenen Internetnutzer einen Blog führen und dieselbigen aber nur von etwa 11% gelesen werden. Daraus lässt sich wohl schließen, dass Weblogs hauptsächlich von Bloggern gelesen werden. Die Zugriffsstatistik auf cyDome gibt diesen Sacherverhalt auch mehr oder wenig deutlich wieder. Beiträge über das Bloggen erhalten in der Regel recht gute Werte. Dass unsere Leser hauptsächlich aus der Blogosphere stammen, hatte ich daher schon länger vermutet.

Erstaunlich fand ich aber, dass das wohl auch für das Blogger-Meka auf der anderen Seite des großen Teichs gilt. Deshalb reduziert sich scheinbar die Frage, wie man seinen Weblog versilbern kann, im Wesentlichen darauf, wie sich etwas am Blogger als Leser verdienen lässt. Oder machen gerade jene gutes Geld, die es geschafft haben, auch Leser außerhalb der geschlossen Benutzergruppe der Blogger anzusprechen?

Ein prominentes Beispiel ist Rafat Ali, der mit seinem Blog paidcontent.org so gar nicht in die Blogosphere passt. Nicht nur, dass er nach eigenen Angaben ausschließlich vom Bloggen lebt, sondern vor allem deshalb, weil auf seiner Site das Community-Feeling gänzlich fehlt. Kommentare hatte er erst kürzlich eingeführt, sie dann aber bald wieder abgeschafft, weil die Spammer wohl die einzigen waren, die sich berufen fühlten, ihre Duftmarke auf seinem Blog zu hinterlassen. Verweise auf andere Weblogs gibt es bei ihm auch höchst selten. So könnte man durchaus die Meinung vertreten, dass eine der bekanntesten Blogsites überhaupt kein echter Weblog ist.

Befindet sich derjenige, der seinen Blog nicht nur aus Spaß an der Freud betreibt, vielleicht in einem Dilemma? Entweder verfasst er hauptsächlich Beiträge für die Vertreter auf seiner Blogroll, oder er wendet sich an das große Internet-Publikum im Allgemeinen. Entscheidet er sich für Letzteres, verliert er unter Umständen den typischen Blogger-Stallgeruch und damit seine ursprünglichen Stammleser. Im Endeffekt betreibt er dann eine kommerzielle Website aber eben keinen Blog mehr. Und was wird dann aus den vergnüglichen Debatten am virtuellen Blogger-Stammtisch?

Gerade die deutschsprachige Bloggerszene erinnert mich doch stark an die Anfänge des Internet. Es ist eine kleine Gruppe von meist technikbegeisterten Leuten und jeder kennt jeden. Inhaltlich beschäftigen sie sich auch gern mit sich selbst. Taucht ein neuer Weblog auf, wird er vor allem deshalb gelesen, weil es eben auch ein Blog ist. Gleichzeitig erwartet man den großen Durchbruch und sieht das Bloggen zum Massenphänomen werden. So manchem ist diese Aussicht wohl gar nicht recht, denn das Community-Feeling könnte dadurch vielleicht abhanden kommen. Auch die Diskussion um eine mögliche Kommerzialisierung erinnert haargenau an die Zeit, als das Internet seinen Weg aus den Hochschulen fand. Fast hat man den Eindruck, die einstige Internet-Community hat sich in die Blogger-Community geflüchtet.

SFGate.com: Bloggers find ways to profit
via IT Digest: Bloggers + Advertisements + Profits

5 Kommentare

  1. Kommentar von Moe am 5.06.04 12:27:

    >Im Endeffekt betreibt er dann eine kommerzielle Website aber eben keinen Blog mehr.

    Interessanter Gedanke, aber wieso bloggen für eine grössere Zielgruppe denn einen kommerziellen Hintergrund haben müsste habe ich nicht ganz verstanden..?

  2. Kommentar von Michael Pietroforte am 5.06.04 13:34:

    Sobald man so viel Traffic hat, dass sich eine Kommerzialisierung lohnt, geht vermutlich die familiäre Atmosphäre eines typischen Blogs verloren. Wenn man sich beispielsweise die erfolgreichen Sites der IT-Verlage ansieht, wird einem auffallen, dass sich in den Kommentaren dann Hinz und Kunz verewigen. Es ist eben dann auch kein Publizieren in einer Community mehr, weil man hauptsächlich für die nicht bloggenden Leser schreibt. Entsprechend muss man dann auch seine Themen anpassen. Die hohen Zugriffszahlen vieler bekannter Blogs werden vor allem von anderen Bloggern verursacht. Diese lesen wohl auch selbst sehr viel, weil sie ständig auf der Suche nach Themen für den eigenen Blog sind. Die hohe Zahl an Page Impressions wird also oft von einer relativ kleinen Gruppe hervorgerufen und je kleiner die Leserschaft umso schwerer fällt die Kommerzialisierung. Große Leserschaft heißt aber dann, dass man die Blogsphere verlassen muss und dann ist es halt vielleicht auch kein echtes Bloggen mehr. Aber was man einen Blog nennt, ist vermutlich Geschmackssache.

  3. Kommentar von Johannes am 7.06.04 20:35:

    Guter Text. Aber bitte: DAS Weblog. Danke. 🙂

  4. Kommentar von Michael Pietroforte am 7.06.04 22:00:

    Ja, ich weiß, dass es derzeit bei Google 37400 zu 6920 für „das Weblog“ steht. Und ich versuche mich, eigentlich auch immer danach zu richten. Aber „das Weblog“ hört sich in meinen bayerischen Ohren so furchtbar grauslich an. Soweit ich weiß, hat die Dudenredaktion noch kein Machtwort gesprochen und ich hoffe ja immer noch, dass beides erlaubt sein wird. 😉

  5. Kommentar von Frank am 10.06.04 01:20:

    jaja die Bayern mit ihren Laptops und Lederhosen… 😉