Copyright: DRM-Systeme in der Kritik
Als innovationsfeindlich bezeichnet eine liberale amerikanische Wirtschaftsdenkfabrik die von der Musik- und Filmindustrie forcierten technischen und politischen Ansätze zur Einschränkung der Kopiermöglichkeiten digitaler Dateien. Der Digital Connections Council des Committee for Economic Development (CED) wendet sich vehement gegen Strategien der Content-Industrien, die das Kopieren von Musik- und Film-Titeln via Tauschbörsen mit technischen Mitteln verhindern wollen.
Nach Ansicht des ThinkThanks wird durch die Systeme fürs digitale Rechte- beziehungsweise Restriktionsmanagement (DRM) die gesamtgesellschaftliche Innovation und der Wissensschatz der Menschheit gefährdet. Letztlich sollen die Konsumenten laut dem Report die Kosten für scheiternde Business- und Marketingmodelle der Hightech-Industrie aufgebürdet werden. Wenn es der Rechteindustrie tatsächlich gelingen sollte, sich mit ihren restriktiven Ansätzen durchzusetzen, könnte das langfristig nach Ansicht der Autoren des Reports sogar die Wachstumschancen der Wirtschaft zerstören. Gegen eine derart rückwärts gewandte Strategie bezieht CED entschieden Stellung.
Stefan Krempl geht in einem sehr lesenswerten Telepolis-Artikel ausführlich auf das Thema ein:
"Die Schlussbitte der CED-Vordenker lautet, dass die Politiker doch davon absehen sollten, gewisse Geschäftsmodelle zu schützen, statt Anreize für die Entwicklung neuer Vermarktungs- und Vertriebswege zu liefern, obwohl diese das Internet gerade in Reinkultur biete. Die Wirtschaft hänge schließlich nicht von einzelnen Distributionswegen und speziellen Ausformungen von Industrien wie dem Verlagshaus ab, sondern von den kreativ anregenden Werken von Autoren. Einen Ausweg aus dem digitalen Dilemma könne neben dem Experimentieren mit verbraucherfreundlichen Light-Versionen von DRM-Systemen während des vorgeschlagenen Moratoriums auch die Einberufung einer neuen kollektiven Rechtevertretung oder Verwertungsgesellschaft sein, die Zahlungen der Downloader an die Künstler verteile."
>> Telepolis: Stefan Krempl: Das Copyright-Regime als Innovationsblocker
>> Der Bericht (PDF): Promoting innovation in the on-line world: the problem of digital intellectual property
Zum Thema Politik als Erfüllungsgehilfe beim Schut von Geschäftsmodellen: Die EU bastelt gerade an einer Direktive zur Durchsetzung von Urheber- und Patentansprüchen, die den Rechteinhabern und -verwertern weitgehende Möglichkeiten bei der Verfolgung ihrer Interessen einräumt. Hier ein Hinweis auf eine Gegeninitiative: http://www.heise.de/newsticker/meldung/45159
Verfasst von: Fotis Jannidis am 04.03.04, 11:38

