Wir sind die fünfte Gewalt
Die Debatte um Journalismus und Weblogs geht weiter und findet einen interessanten Schluss. Zumindest in einem Artikel von Petra Steinberger in der Süddeutschen Zeitung. Demnach sind Blogger in gewisser Weise sogar eine Ordnungsmacht geworden:
"Blogs ordnen die Welt für uns ein; für jede Aussage gibt es eine Antwort irgendwo da draußen, jedes Argument wird irgendwo zerlegt und neu zusammengesetzt."
Dieser orginellen und einfachen Deutung schließe ich mich gerne an. Blogger unterstützen die Meinungsfreiheit, verschaffen einer Mehrheit von Nicht-Journalisten zu einer Art Öffentlichkeit, ohne dass jede ihrer Behauptungen abgewogen und überprüft wird. Zu Recht ist deshalb manchmal von Pamphleten die Rede. Dennoch: Die Blogosphere ist geduldig, verträgt sogar viele Meinungen und einige Egomanen, die immer wieder alles Neue zu Grabe tragen wollen.
Blogger müssen sich nicht unbedingt als "neue Journalisten" verstehen. Das Selbstverständnis der Blogger ist häufig ein anderes, es sei denn, Journalisten bloggen, wie das auch auf cyDome der Fall ist.
"Blogging ist eine Bereicherung, nicht unbedingt ein Ersatz für die Journalisten der Alten Schule des 20. Jahrhunderts, die sich gerne weiterhin dem Unterschied zwischen Fakt und Meinung widmen dürfen. So verweilt der Blog-Süchtige stundenlang in den Weiten der "Blogosphäre", lässt sich von einem Link zum nächsten treiben, trudelt eine Cyberkaskade nach der anderen hinab, kommt zurück und fühlt sich etwas ausgelaugt. "
>> Süddeutsche Zeitung: Petra Steinberger: Wie Webtagebücher in Amerika Politik machen
>> cyDome: Der gemeine Blogger
Ping von: Wolfgang Miedl, am 23.07.04, 14:14
Titel: Blogger werden jetzt ernst genommen
Ping von: PR Blogger, am 03.08.04, 14:53
Titel: Vertrauensverlust in Weblogs
Dabei sollte man auch mal auf den Grundtenor des SZ-Beitrags achten: Blogs zählen zu den obskuren Hobbies vornehmlich rechtskonservativer US-Amerikaner, die eitel, einsam und brillentragend sind. Der Artikel ist gespickt mit subtlien Despektierlichkeiten, die Bloggerszene betreffend.
Ausserdem wird mit keiner Silbe die deutsche Weblog-Szene erwähnt. Spielt da die Angst vor der nächsten Internet-Welle mit ("die bloß nicht groß reden") oder blanke Unkenntnis? Immerhin wissen wir ja jetzt, was wir an den alten Medien haben: "Die Journalisten der alten Schule dürfen sich weiterhin dem Unterschied zwischen Fakt und Meinung widmen."
Verfasst von: Wolfgang Miedl am 19.07.04, 23:21
Die Despektierlichkeiten sind auszuhalten und nicht besonders spannend. Es gibt ohnehin keine homogene Szene in der Blogosphere. Natürlich gibt es auch rechtskonservative Gruppierungen, die sich die neuen Möglichkeiten des Bloggens zunutze machen. Ob sie tatsächlich dieselbe Bedeutung erlangen wie die rechten Talk Radios wage ich jedoch zu bezweifeln. Ich glaube nicht, dass sie eine vergleichbare Dominanz erhalten. Ganz im Gegenteil.
Nicht jeder Artikel muss gleich allumfassend auf alle Aspekte des Bloggens eingehen. Das wäre zu viel verlangt. Deshalb würde ich nicht gleich von Unkenntnis sprechen. Allerdings ist es sehr typisch, dass viele deutsche Journalisten zunächst nach Übersee blicken, bevor sie sich die deutsche Szene anschauen...
Verfasst von: Klaus Eck am 20.07.04, 08:25

