Linux auf allen Desktops bei der IBM? Ist diese innige Umarmung gut für Linux?

IBM-CEO Sam Palmisano wünscht sich die Einführung von Linux auf allen PC-Arbeitsplätzen im Unternehmen bis Ende 2005. Überall ist zu lesen, dass diese Meldung versehentlich an die Öffentlichkeit gelangt sei. Sollte man das glauben? Ähnlich wie bei der Entscheidung des Münchner Stadtrats oder der israelischen Regierung geht es hier weniger um die Frage, ob ein Umstieg tatsächlich Sinn macht, sondern wohl eher um Publicity. Tatsache ist, dass das IBM-Management einmal mehr Linux mit allen Mitteln zu pushen versucht.

Man kann es sich bei IBM wohl bis heute nicht verzeihen, dass man sich seiner Zeit von Microsoft das Betriebssystemgeschäft aus der Hand hat nehmen lassen. Viel zu spät hat man erkannt, dass Software nicht nur als nützliche Beigabe für Hardware taugt, sondern dass damit auch Geld zu verdienen ist. Der Open-Source-Boom scheint nun den Weg zurück zu den guten alten Zeiten zu ebenen. Besser noch, die Software wird kostenlos von gutwilligen Idealisten programmiert und das Geschäft wird ausschließlich wieder mit der Hardware und den Dienstleistungen gemacht.

Die IBM hat sich von jeher schwer getan im Softwaregeschäft. In seinem Buch Der Weg nach vorn schreibt Bill Gates über die gemeinsame Entwicklung von OS/2 mit IBM:

Wir erhielten über zehntausend solcher Änderungswünsche, und dann setzten sich die besten Leute von IBM und Microsoft zusammen, um tagelang darüber zu diskutieren. Ich erinnere mich an den Änderungswunsch Nr. 221: „Fonts aus dem Produkt entfernen. Grund: Vergrößerung im Produktkern.“ Irgend jemand bei IBM wollte nicht, daß das PC-Betriebssystem vielfältige Schriftarten ermöglichte, weil ein spezieller Mainframe-Drucker von IBM nicht damit umgehen konnte. Schließlich wurde klar, daß eine gemeinsame Entwicklung nicht funktionieren würde.

Es lässt sich nicht leugnen, dass es gewisse Konflikte zwischen dem Hardware- und dem Softwaregeschäft gibt, insbesondere dann, wenn es um die Betriebssystementwicklung geht. Wie leicht ist es Microsoft dann doch gefallen mit Windows NT OS/2 vom Markt zu fegen. Man muss sich deshalb die Frage stellen, ob diese innige Umarmung von IBM wirklich zum Vorteil von Linux ist oder ob daraus nicht eines Tages ein Würgegriff wird.

News Forge: IBM on leaked memo: Nothing to see here. Move along…
ZDNet UK: IBM leads Linux-desktop charge
Computer World: IBM’s Palmisano challenges his company to move to Linux desktop
PC World: IBM Issues a Linux Challenge
Tech World: IBM CEO urges the company to move to Linux desktop
IT Web: IBM CEO calls for desktop Linux inside
ZDNet: IBM turns inward with Linux desktop project
eWeek: IBM Memo Outlines Linux Desktop Push
InfoWorld: IBM CEO challenges Big Blue to move to Linux desktop
The Inquirer: Internal memo confirms IBM move to Linux desktop

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