Linux, ein Problem für Microsoft? Wer glaubt da noch dran?

Winfture veröffentlicht eine ziemlich lange E-Mail von Microsofts CEO Seve Balmer, in der er wieder mal heftig auf Linux einknüppelt. Auf den ersten Blick sehe ich keine grundsätzlich neuen Argumente – Linux ist teuer, unsicher, die Rechtslage ungeklärt etc. etc. Aber wer Freude daran hat, sich über M$ aufzuregen, könnte Gefallen an der E-Mail finden. Ich persönlich vermute jedoch, dass Balmer hier nur eine große Show abzieht.

Während Open Source nun schon seit einigen Jahren immer populärer wird, legt gleichzeitig Microsoft selbst in Krisenzeiten einen Rekordgewinn nach dem anderen hin. Offensichtlich stellt Open Source keine ernsthafte Gefahr für die Gates-Company dar. Wie jeder weiß, wildert Linux und Open Source Software im Allgemeinen hauptsächlich im Unix-Lager. Geschwächt werden dadurch Microsofts traditionelle Gegner. Die Redmonder können so mehr oder weniger ungehindert ihre Marktanteile im Serverbereich ausbauen.

In anderen sehr gewinnträchtigen Zukunftsmärkten, wie etwa den PDAsoder den Media-PCs, ist Microsoft nun drauf und dran, ebenballs Maßstäbe zu setzen. Hier kommt es noch viel mehr auf Usability an als bei Arbeitsplatzrechnern. Während im Unternehmen der Systemverwalter weiterhilft, wenn der PC Mucken macht, darf der Computer für unterwegs bzw. die heimische PC-Gerätschaft der Zukunft nicht schwieriger zu "administrieren" sein als ein Handy oder eine TV-Fernbedienung.

Von jeher war die Usability die große Stärke Microsofts, während sie nach wie vor eine der größten Schwächen von Open Source ist. Wen kümmern dann noch einige tausend Linux-PCs in den europäischen Amtsstuben, wenn künftig in jedem Wohn- oder Kinderzimmer statt Fernseher, DVD-Player und Stereoanlage Windows Media Center dröhnt?

Ich denke, dass sich Balmer dieser Dinge durchaus bewusst ist. Seine unermüdlichen Angriffe gegen Linux könnten nichts weiter als eine große Show darstellen. Der Welt soll demonstriert werden, dass man tatsächlich einem ernsthaften Konkurrenten gegenübersteht. Die Redmonder Bilanzen belegen indes Quartal für Quartal genau das Gegenteil.

Die Politik, die vermutlich einzig dazu in der Lage wäre, Microsofts ungebremsten Wachstum Einhalt zu gebieten, wird durch Balmers regelmäßige Pamphlete bestens eingelullt. Ähnliches gilt für die IT-Fachpresse, die alljährlich aufs Neue über den Siegeszug von Open Source auf dem Desktop und sonst wo orakelt. Sie schürt dabei unberechtigte Hoffnungen bei all jenen, die sich innbrünstig wünschen, dass es damit auch den nimmersatten Software-Bonzen endlich mal an den Kragen geht.

Also wer glaubt wirklich noch daran, dass der kleine, niedliche Pinguin eine ernsthafte Bedrohung für die monströse Redmonder Software-Krake darstellt?

2 Kommentare

  1. Kommentar von m-pax am 28.11.04 22:18:

    Vielleicht der kleine, niedliche Pinguin, welcher auf dem großen, dicken, blauen Elefanten reitet.

  2. Kommentar von Michael Pietroforte am 29.11.04 22:32:

    Endlich mal ein plausibles Argument 😉