Microsoft mutiert zum Application Service Provider

Auf der Suche nach neuen Einnahmequellen ist Microsoft offensichtlich fündig geworden. Jetzt sollen Online-Services Geld in die Kassen von Bill Gates & Co. spülen. Windows live und Office live heißen die beiden Angebote.

Office live zielt auf kleine Unternehmen mit beschränkter IT-Expertise. Sie erhalten eine eigene Domain, eine Web-Seite, 30 MByte Speicherplatz für E-Mails und Zugang zu Office-Applikationen. Finanziert wird das Ganze durch Nutzergebühren und Online-Anzeigen.

Privatleute können auf Windows live zugreifen. Das Angebot ähnelt dem von Office live: eine persönliche Web-Seite, Web-Mail, Instant Messaging und ein Online-Virenscanner. Im Gegensatz zu Office live sind die meisten Anwendungen kostenlos. Im Prinzip handelt es sich um Dienste, die User bereits unter MSN zur Verfügung stehen. Die Kosten sollen nach den Vorstellungen von Microsoft durch Online-Anzeigen gedeckt werden.

Windows Live 02.11.05

Wer allerdings vermutet, er könne sich den Kauf einer Office-Suite sparen, weil Word, Excel oder Powerpoint nun kostenlos online bereit stehen, liegt falsch. Beide Services setzen voraus, dass Windows und Office auf dem Rechner installiert sind. Es handelt sich um Erweiterungen, quasi „Zuckerl“, die der User zusätzlich nutzen kann.

Warum Microsoft plötzlich auf das Live-Modell setzt, liegt auf der Hand. Das Unternehmen möchte damit Google entgegen treten, das sich immer mehr in Richtung PC-Desktop bewegt, etwa mit seiner Desktop-Suche. Hinzu kommt, dass der Software-Gigant seinem schwächelnden Online-Service MSN neues Leben einhauchen möchte. Zwar laufen angeblich Verhandlungen mit AOL mit dem Ziel, den Content von AOL mit der Suchmaschinen-Funktion von MSN zu einem Dienst zu kombinieren. Ob es zu einem Agreement kommt, ist jedoch noch völlig offen.

Fazit: Microsoft macht es wie immer – erst einmal einen Trend verschlafen, dann zusehen, wie sich Konkurrenten etablieren und dann versuchen, selbst etwas auf die Beine zu stellen. Allerdings gilt, ebenfalls wie immer: Redmond ist dank seiner Marktmacht und der wohl gefüllten Kasse nicht zu unterschätzen. Nötigenfalls muss eben ein Mitbewerber übernommen werden, um das Geschäft mit dem Application Service Providing nicht zu verpassen.

1 Kommentar

  1. Trackback von Wolfgang Sommergut am 4.11.05 00:45:

    Windows Live Vaporware

    Microsoft hat in den letzten Tagen mit „Windows Live“ und „Office Live“ eine neue Online-Initiative gestartet. Sieht man sich die Ankündigungen an und liest die Reaktionen in diversen Medien, dann ist man danach fast genauso schlau wie vorher. Vie…