Schon wieder Firefox

So steht’s auf Windows Marketplace (eine Microsoft-Site):

Mozilla Firefox is a fast, full-featured browser for Windows that makes browsing more efficient than ever before.

Da soll noch mal einer sagen, die Onkels von M$ seien nicht nett.

Aber im Ernst, eigentlich finde ich das Getue um Firefox schon ein wenig übertrieben. Es ist ja doch auch nur ein Stück Software, mit der man simple Textdateien anzeigen kann, die ein paar Steuercodes in spitzen Klammern enthalten. Eigentlich ist da kaum zu erwarten, dass die Unterschiede zwischen den einzelnen Browsern wirklich nennenswert sind.

17 Kommentare

  1. Kommentar von Wolfgang Miedl am 21.11.04 20:58:

    Meine Rede. Man muss sich mal ganz nüchtern das Gesülze vor Augen halten, das die Gazetten – bei den Spezialisten von Spiegel Online angefangen – zu Firefox absondern. Das ganze kommt in einem Gestus daher, als würde nun durch ein Stück Software die Welt gerettet. Und dann werden die erdrückenden Argumente als Headline runtergebetet: Tabbed Browsing, Popup-Blocker…

    Mir kommt das bisweilen vor, als hätten die Leute den Verstand verloren. Oder eher: Den Chefredakteueren sind die Themen ausgegangen.

    Ich empfinde es ja auch als sehr angenehm, jetzt endlich eine alternative Browsersoftware zu haben, nachdem ich seit den ersten Mozilla-Milestones (ca. 1998) auf ein vernünftiges Ergebnis gewartet habe. Aber das hat dann auch wirklich nur was mit einer Nerd-Marotte zu tun, technisch und vor allem aus Otto-Normaluser-Perspektive ist das Browserthema derart Commodity und ausgereizt, dass es eigentlich höchstens eine Randnotiz wert ist.

  2. Kommentar von Lazerte am 21.11.04 21:33:

    Mein Gott, da spricht M$ einmal die Wahrheit, und ausgerechnet dann müssen Sie widersprechen, meine Herren…!

  3. Kommentar von Michael Pietroforte am 21.11.04 22:15:

    @Wolfgang
    In der Regel haben diese Schreiberlinge wenig Ahnung von der Sache. Schließlich gibt es Tabbed Browsing, Popup-Blocker etc. auch für andere Browser. (Übrigens auch schon seit Ewigkeiten für den Internet Explorer: MyIE2, Slim Browser)

    Ich denke, es geht im Grunde nur um politische Dinge. Surfer aller Länder befreit euch von den bösen, bösen Kapitalisten aus Redmond. Ist ja OK, wenn man sich dazu berufen fühlt. Nur dann sollte man es offen aussprechen, anstatt Tabbed Browsing als die größte technische Errungenschaft des 21. Jahrhundert hinzustellen.

    @Lazerte
    Da muss ich Dich enttäuschen. Der Text stammt nicht von M$, sondern ist wohl nur Reklamegeschwafel von irgendwelchen Mozillas. Die Onkels aus Redmond sind deshalb so lieb, weil sie das nicht zensieren. Offenbar macht man sich dort keine allzu große Sorgen wegen des Firefox-Hypes.

  4. Kommentar von Wolfgang Miedl am 21.11.04 22:40:

    Eben! Es ist genau diese Unaufrichtigkeit, die mich maßloß nervt. Man muss Microsoft nicht mögen, und man darf das auch öffentlich sagen (kann ich als langjähriger IT-Journalist bestätigen!). Aber stattdessen alle möglichen pseudotechnischen Argumente an den Haaren herbeiziehen, das ist unseriös.

    Womit nicht gesagt sein soll, dass man – auf höherem Niveau – auch eine sinnvolle Technikdebatte führen kann.

  5. Kommentar von Lazerte am 22.11.04 09:39:

    Schön , das Sie so viel Freude am Tabbed Browsing haben! Aber war da nicht noch ein anderes Argument? Vielleicht Sicherheit?
    http://www.spiegel.de/netzwelt/politik/0,1518,317719,00.html

  6. Kommentar von borttronic am 22.11.04 14:50:

    Selbst wenn man Microsoft nicht mag, finde ich es persönlich extrem albern, wenn man statt der gängigen Abkürzung „MS“ immer „M$“ schreibt. Was soll das eigentlich? Kann man etwa mit Erfolg nicht umgehen?

    Und das wollen erwachsene Menschen sein.

  7. Kommentar von Frau_Kaechele am 22.11.04 16:29:

    Sicherheit? Wenn das Plug-In für die eBay-Suche nicht zu eBay führt? Warum ist ein Browser so supersicher, wenn ich erst einmal die Search-Plug-Ins anschauen muss, ob da nicht jemand Dummheiten macht? Sicherheit heißt nicht zuletzt, dass ich jederzeit die Kontrolle über die Datenströme habe.
    Um alle Unklarheiten zu beseitigen: Ich benutze seit fünf Jahren Mozilla auf allen Plattformen als Standard-Browser und gehören nicht gerade zu den MS-Fans. Aber mit den Firefox-Schwachheiten hat sich das deutsche Lokalisierungsteam keinen Gefallen getan. Gott sei Dank kann man Open-Source-Produkten auf den Code schauen – richtig mistig wird es, wenn man das machen *muss*…

  8. Kommentar von Lazerte am 22.11.04 20:03:

    @ Frau_Kaechele: Riesen-Sauerei, das mit dem Search Plugin, find ich auch. Und wie lange hat die Mozilla-Gemeinde gebraucht um es rauszufinden, öffentlich zu machen und abzustellen? Eine Woche! Zeigen Sie mir den Projektmanager in Redmond, der innerhalb einer Woche zugibt, dass er Sch. gebaut hat und den Fehler beseitigt…

    @ borttronic: Yep, Volltreffer, ich komme mit dem Erfolg von M$ wirklich nicht klar. Aber ich geh jetzt gleich in meine Mac-Selbsthilfegruppe, da kann ich über alles reden 😉

  9. Kommentar von Michael Pietroforte am 22.11.04 22:16:

    @Lazerte
    Wenn man der Empfehlung des BSI aus dem obigen Spiegelartikel folgt, dann müsste man jetzt den Firefox wieder durch einen anderen Browser ersetzen. Denn schließlich hat dieser ja jetzt dank einer beispiellosen Reklamekampagne eine ganz ordentliche Marktdurchdringung erreicht. Selbst wenn man den IE mal außen vor lässt, so hat der Firefox in technischer Hinsicht und eben auch in puncto Sicherheit gegenüber anderen Browsern wie etwa Opera nichts Besonderes zu bieten. Getragen wird der Erfolg des Firefox im Wesentlichen, wie viele andere Open-Source-Projekte auch, von einer Anti-M$-Stimmung. Nur traut man sich das in „seriösen Publikationen“ nicht offen auszusprechen und führt stattdessen technische Halbwahrheiten als Argumente an. Das sehe ich wie Wolfgang als unseriös an.

    @borttronic
    Während andere mit „M$“ ihren Unmut, Empörung und Neid ausdrücken, betrachte ich diese Bezeichnung ganz einfach nur als passend für ein äußert erfolgreich agierendes Unternehmen. Mit „$“ assoziiere ich eigentlich nichts Negatives. Der Erfolg von Microsoft ist mir ansonsten ganz einfach egal.

  10. Kommentar von Frau_Kaechele am 24.11.04 09:26:

    @Lazerte: Na, das war ja auch nicht schwer rauszukriegen – schließlich ist ja alles Plain Text. Das Schlimme ist nicht der Redirect, sondern dass die Glaubwürdigkeit eines Open-Source-Projekts einen herben Schlag erlitten hat. Denn gerade die vermeintliche Aufrichtigkeit als Sicherheitsmerkmal war doch in den vergangenen Jahren immer ein wichtiges Argument pro OSS, wenn ich mich recht erinnere?

    Am Rande: Glaubt hier jemand ernsthaft, dass Firefox keine Buffer Overflows ermöglicht?

  11. Kommentar von Lazerte am 24.11.04 11:33:

    Ja, wir sind absolut auf einer Linie, Frau Kaechele, es geht um die Glaubwürdigkeit, und deshalb hat es jeden Firefox-Anwender, der etwas auf sich hält, mächtig gefuchst! Aber Kommunikation und Krisenmanagement laufen bei den Open Source Codern offenbar immer noch besser als bei den auch so tollen Profis in Redmond, oder wie soll ich zum Beispiel so etwas verstehen:
    http://www.intern.de/news/6235.html

  12. Kommentar von Michael Pietroforte am 24.11.04 21:53:

    Ich denke, es ist ein Vorurteil, dass bei OSS Lücken schneller gestopft werden als im Falle von Microsoft-Produkten. Man kann von Einzelfällen nicht auf die allgemeine Praxis schließen. Aussagekräftiger sind da schon Studien:
    http://www.cydome.de/mpietroforte/archives/000275.shtml

  13. Kommentar von Joern am 25.11.04 10:12:

    @Michael: Keine Studie ohne Gegenstudie (http://www.heise.de/newsticker/meldung/52490) und es spielt auch eigentlich keine Rolle ob OSS oder Closed-Source schneller im fixen von Bugs ist. Wichtig ist, das sie gefixed werden und genau das ist beim IE nicht immer der Fall. Denn es gibt ständig diverse ‚Issues‘, um beim MS Euphemismus zu bleiben, für die es Wochenlang keine Lösung gibt. Das ist keine schöne Situation, denn in dem Augenblick kann man nur hoffen, das der Virenscanner jede Malware kennt.

  14. Kommentar von Michael Pietroforte am 25.11.04 20:39:

    Die Aussagen eines Exredakteurs der LinuxWorld sind genauso wenig glaubwürdig wie eine von M$ finanzierte Studie zu diesem Thema. Forrester hingegen, ist ein renommiertes Marktforschungsunternehmen. Interessant ist übrigens, dass der neue JavaScript-Fehler Firefox und Internet Explorer mit SP1 unter Windows XP zum abstürzt bringt, der IE mit SP2 aber mehr oder weniger immun ist. http://www.heise.de/newsticker/meldung/53644 Scheinbar tragen die vielen Dollars, die M$ in Sicherheit investiert, langsam Früchte.

  15. Kommentar von Joern am 25.11.04 21:59:

    Forrester (die sich bis vor kurzem noch von MS für ihre Studien haben bezahlen lassen) ist mindestens genauso Glaubwürdig wie „Die Aussagen eines Exredakteurs der LinuxWorld“, solange die Methodik in Ordnung ist und das es endlich mal einen Fehler in Firefox gibt der kein Äquivalent im IE hat ist wirklich bemerkenswert.

  16. Kommentar von m-pax am 28.11.04 22:10:

    Holla, den Fehler gibt es im Internet Explorer selbst auch. Nur das ServicePack ändert die Sache für den IE unter Win XP SP2. Unter Win 2000 z.B. sieht es wider anders aus.

    Michael, es ist lächerlich wie du dich windest.
    MyIE2, Slim Browser sind beide nicht nativ IE.
    Weiter unten klammerst du, wenn es um Sicherheit geht, den IE einfach in der Diskussion aus. Es ist aber doch so einfach: der IE hat heutzutage noch die größte Verbreitung und Firefox ist einfach besser (Mozilla und Opera sind viel zu fett). Das bemerken immer mehr Leute und wechseln.

  17. Kommentar von Frau_Kaechele am 29.11.04 16:01:

    @m-pax: Was heißt „besser“? Ich bin von Mozilla 1.7.3 auf Firefox 1.0 umgestiegen (auf WinXP) und habe seitdem immer wieder Abstürze. Zugegeben: Das Plug-In-Handling ist um klassen besser als bei Moz., die Icon sind bunter, aber sonst?

    Unter Linux ist Firefox zumindest besser in KDE integrierbar als Mozilla. Und da kommt auch der Plug-In-Kram deutlichst zum Tragen. Aber unter Windows ist Firefox eigentlich nur kleiner als Mozilla, nicht besser. Zumindest auf meinen Maschinen…