Sind Wikis das Gegenteil von Weblogs?

Weblogs und Wikis werden häufig in einem Atemzug genannt. Wenn man sich die beiden Erscheinungen aber einmal genauer ansieht, dann wird man feststellen, dass die Unterschiede sehr viel größer sind als die Gemeinsamkeiten. Ich habe hier zusammengefasst, was ich mal irgendwo dazu aufgeschnappt habe oder was mir gerade eben in den Sinn kam. Diese Zusammenstellung erhebt natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Gemeinsamkeiten:

  • Weblogs und Wikis basieren auf einfachen Content-Management-Systemen.
  • Weblogs und Wikis werden häufig von Privatleuten und meist einfach nur aus Spaß an der Freud betrieben.

Unterschiede:

Weblogs sind vernetzt, Wikis verlinkt
Blogger verweisen in ihren Texten gerne auf andere Weblogs. D.h., Weblogs sind untereinander verlinkt, was man auch als "vernetzt" bezeichnen könnte. Ein typisches Merkmal von Wikis ist dagegen die extensive interne Verlinkung.

Weblogs sind zeitlich,  Wikis räumlich (siehe auch)
In Weblogs werden Beiträge chronologisch geordnet, Wikis ähneln in ihrer Struktur indes klassischen Websites, bei denen die einzelnen Seiten zu einem räumlich wirkenden Web verknüpft werden.

Weblogs sind kurzlebig, Wikis langlebig
OK, Ausnahmen bestätigen die Regel. Die Wikinews sind in dieser Hinsicht ein echter Ausreißer. Im Allgemeinen werden in Wikis aber doch eher Texte verfasst, die etwas langlebiger sind. Blogger setzten dagegen meist auf Aktualität. Spätestens dann, wenn ein Beitrag von der Hauptseite rutscht, ist er auch schon vergessen.

Weblogs sind spontan, Wikis bedacht
Blogger reagieren meist sehr schnell auf Ereignisse. Dementsprechend schnell (manchmal vielleicht auch vorschnell) wird dann ein Beitrag gepostet. In Wikis spielt die Aktualität nicht die entscheidende Rolle. Vielmehr kommt es hier darauf an, einen Beitrag zu liefern, der von den anderen nicht gleich wieder zerfledert wird. Man muss sich also bei der Recherche etwas mehr Zeit nehmen und beim Verfassen des Textes mit Bedacht vorgehen.

Weblogs sind subjektiv, Wikis objektiv
Blogger – zumindest die mit den interessanten Weblogs – geben häufig auch ihre Meinung zum Besten. In einem Wiki wird das normalerweise nicht funktionieren. Wenn mehrere Personen an einem Text arbeiten, müssen sie versuchen, auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen. Je mehr Leute an einem Wiki mitarbeiten, umso objektiver wird es daher zugehen.

Weblogs sind individualistisch, Wikis gemeinschaftlich
Ein gutes Weblog lebt von der Persönlichkeit seines Betreibers. Und genau die wird dann oft auch in den Vordergrund gestellt. Nicht selten dient ein Weblog dem Self-Marketing. Deshalb geht es dann auch darum, die eigenen Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. In einem Wiki geht der Einzelne meist unter. Das Ziel besteht hier eher darin, gemeinsam einen möglichst guten Text zu erstellen. Vielen macht es wohl aber einfach nur Spaß, in der Gemeinschaft etwas zu schaffen.

Weblogs sind Closed Source, Wikis Open Source
Auch Open-Source-Projekte weisen diesen gemeinschaftlichen Charakter von Wikis auf. Es gibt aber noch weitere Gemeinsamkeiten. Da die Texte in der Regel keine echten Besitzer haben, ist es häufig nicht verboten, sie zu kopieren und vielleicht in einem anderen Wiki weiterzuverarbeiten. Auch Blogger lieben "Copy und Paste", allerdings passiert das dann häufig an der Grenze der Legalität. In jedem Fall wird ein Blogger wohl protestieren, wenn der eigene Text irgendwo im modifizierter Form auftaucht.

Weblogs sind kommunikativ, Wikis kollaborativ
Man darf ein Weblog nicht als isolierte Publikation betrachten. Wie bereits oben erwähnt wurde, sind Weblogs untereinander vernetzt. Diese Vernetzung dient der Kommunikation. Das heißt, es wird über die Grenzen des eigenen Weblogs hinweg diskutiert. Beim gemeinschaftlichen Arbeiten an einem Text geht es dagegen nicht primär um den Austausch von Informationen oder Meinungen, sondern um die Integration von Wissen.

Weblogs sind konkurrenzdemokratisch, Wikis konsensdemokratisch
Die Entscheidung darüber, wie ein Sachverhalt korrekt darzustellen ist, muss in einem Wiki immer im Konsens erfolgen. Das liegt gewissermaßen in der Natur von Wikis. Auch bei Weblogs gibt es eine Art demokratischen Entscheidungsprozess in Bezug auf die Qualität der Texte. Weblogs mit guten Inhalten erhalten viele Backlinks. Sie werden dadurch häufiger gelesen und vergrößern damit ihren Einfluss. Das gilt auch für die einzelnen Beiträge in den Weblogs. Demokratische Abstimmungen finden unter Bloggern somit über die Verlinkung untereinander statt. Dass sie dabei auch in Konkurrenz zueinander stehen, kann man schon daran erkennen, dass sie ständig mehr oder weniger eifersüchtig auf die Pageranks der Mitstreiter schielen.

7 Kommentare

  1. Kommentar von David Reisner am 12.03.05 08:30:

    Guten Morgen!
    Das Problem bei Wikis ist, dass sich Leute dann wirklich an der Idee des Texte modifizieren beteiligen, bislang passiert das nur bei wenigen Wikis. Für technische Neulinge ists außerdem sehr viel leichter, wordpress zu installieren, als ein Wiki Skript (aus meiner Erfahrung, ich bin anfänger im bezug auf technik;)

    Ich denke, bis sich Wikis ähnlich aktiv entwickeln, dauert es noch lange.
    Mfg David

  2. Kommentar von Michael Pietroforte am 13.03.05 21:28:

    Meiner Erfahrung nach ist es nicht schwieriger ein Wiki einzurichten als ein Weblog. Dass Wikis nicht der gleiche Erfolg beschert sein wird wie den Weblogs, halte ich allerdings auch für wahrscheinlich. Die meisten Menschen sind heutzutage doch eher individualistisch veranlagt.

  3. Trackback von tzwaen.systems - Weblog am 25.02.05 09:42:

    Sind Wikis das Gegenteil von Weblogs?

    Michael Pietroforte schreibt über die wenigen Gemeinsamkeiten und die vielen Unterschiede, die es zwischen Weblogs und Wikis gibt. Alle Erklärungen sind dabei sehr gut auf den Punkt gebracht und werden sicherlich auch irgendwie in meiner Dissertation e…

  4. Trackback von IT Blog am 26.03.05 02:57:

    Intranets II – Wikis

    Während die Web Seiten unseres Intranets langsam auf Basis eines Content Management Systems wachsen (wir setzen inzwischen auf Typo3, aber das Thema Portal und Dokumentenmanagement ist noch offen) haben wir in der F+E schon eine Weile Wikis im Betrieb.

  5. Pingback von BIAS - Wiki und Weblogs am 9.09.05 17:47:

    […] – Wiki und Weblogs2005-09-09Wiki und Weblogs Von fgreule @ 17:42 [ Blog ] Soeben gefunden: Sind Wikis das Gegenteil von Weblogs?KommentareBisAuto-BR (Zeilenumbrüche werden <br>-Tags) NEUESTER MOBLOG 2005-09-07 14:44:00LETZTE BEITRÄGEWiki und WeblogsMonatliche Teamsitzung…Educanetkurs in MörikenErste Ideen für den Ei…im 2. OG, 1. September…KATEGORIEN AlleBias-NewsBIAS-TagebuchBlogGALERIENBIAS intern  [3] Kurse  [4] « September 2005 »MoDiMiDoFrSaSo       123456789101112131415161718192021222324252627282930     SUCHE suchenARCHIVSeptember 2005August 2005Oktober 2003BILDUNGSLINKSBIAS (Beratungsstelle …educa.chZebisBILDUNGSBLOGSLernen mit Weblogs (Se…netzlernen.chKAYWA LINKSKAYWA Blogmoblog.chBLOGZINEDeutschEnglishFrançaisSERVICE     […]

  6. Kommentar von Andres Streiff am 30.09.05 20:55:

    Michael Pietroforte beleuchtet die Unterschiede. Um die beiden Systeme nicht in den gleichen Topf zu werfen ist das gut. Wiki ist das umfassendere. Wiki ist das leere Arbeitsheft oder in der Schule die leere Wandtafel. Wie ich die gebrauche ist offen. Da kann ich Wichtiges oder auch ganz Unwichtiges hineinschreiben, chronologisch oder hierarchisch ordnen, kurzlebig oder langlebig, spontan oder bedacht posten, subjektiv oder objektiv meine Meinung zum besten geben, individualistisch oder gemeinschaftlich einen Text erstellen. Wiki ist auch ein Weblog – ein Weblog ist aber nicht ein Wiki. Ein Wiki Dossier wird bald auf http://www.educa.ch erscheinen.

  7. Pingback von Wikis, Blikis, Blogs… » Netzgurke| Nurdan Ergün am 10.11.05 17:17:

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