Spiegel Online verreißt Wikinews

Frank Patalong, der Autor des Textes, begeht in dem Beitrag eine glatte Themaverfehlung. Schon die Überschrift "Und noch ein Blog" lässt erahnen, dass der "Profijournalist" recht wenig von der Thematik versteht. Im Beitrag geht es dann eigentlich auch nur darum, dass Blogger, bzw. die "Nachfahren der Homepagebastler", wie Patalong sie nennt, sicher keine ernst zu nehmende Konkurrenz für die "Profis" (wie Herrn Patalong) darstellen.

Bei den Wikinews handelt es sich natürlich nicht um ein weiteres Weblog. Außer der Tatsache, dass die Beiträge dort chronologisch erscheinen, erinnert nichts bei den Wikinews an ein Weblog. Vielleicht noch, und damit scheint Frank Patalong ein großes Problem zu haben, dass es sich hier ein paar "Nicht-Profis" anmaßen, ohne Redaktion, Chefredakteur und Verlagshaus Nachrichten zu publizieren.

Auf das Wesentliche und eigentlich Neue bei den Wikinews geht er, obwohl der Artikel ziemlich langatmig ist, dann auch gar nicht ein. Das, was ein Wiki ausmacht, besteht ja in der Tatsache, dass jeder den ursprünglichen Text ändern kann, dass also gewissermaßen im Team an einem Beitrag gearbeitet wird. Die interessante Frage ist doch, ob dieses Wiki-Prinzip, das so gut bei der Wikipedia funktioniert hat, sich auch auf Nachrichten übertragen lässt.

Spiegel Online: Wiki-News

6 Kommentare

  1. Kommentar von Torsten Behrens am 6.12.04 22:25:

    Im letzten Absatz des Spiegel Artikels (Ungeahnte Fallstricke) kommt es mir so vor, als ob der Profischreiber das Scheitern des Projektes Wikinews mit Hilfe von Anwälten herbeisehnt.

  2. Kommentar von Karl am 6.12.04 22:56:

    Ein weiterer Hinweis darauf, dass der Ressortleiter von „Netzwelt“ scheinbar sehr viel von Brecht und professionellem Journalismus aber dafür weniger vom Internet versteht. Wie lange würde es wohl dauern und Wikinews würde in irgendeiner Bananenrepublik gehostet?

  3. Kommentar von Michael Pietroforte am 7.12.04 19:27:

    @Torsten Behrens
    Der Tonfall, in dem der Artikel geschrieben ist, lässt tatsächlich vermuten, dass Herr Patalong ein persönliches Interesse daran hat, dass Projekte dieser Art scheitern. Ich denke, dass der Sinkflug der Margen für Online-Journalisten schon auch mit „den Nachfahren der Homepagebastler“ zu tun hat.

    @Karl
    Ich halte es auch für ausgeschlossen, dass man so ein Projekt mit juristischen Mitteln stoppen kann. Durch Klagen würde sicherlich nur die Popularität von Wikinews steigen. Ähnliches konnte man schon bei den Tauschbörsen beobachten.

  4. Kommentar von Mathias Schindler am 9.12.04 12:16:

    Ich hoffe, mir wird das jetzt nicht als Spam ausgelegt, aber ich halte es für sinnig, statt der Wiederholung der einzelnen Punkte lieber auf die Seite zu verweisen, auf der ich mir ein paar Gedanken zu Pattys Text gemacht habe.
    http://de.wikinews.org/wiki/Benutzer:Mathias_Schindler/Die_erste_Woche
    Dazu gehört auch eine kleine Errata des Patalong-Textes.

  5. Kommentar von Michael Pietroforte am 9.12.04 19:25:

    Nein, das fällt sicher nicht unter Spam, schließlich ist es ja zur Sache. Die Replik halte ich übrigens für sehr gelungen, besonders die Errata. Wirft es doch ein Licht auf das Maß an Professionalität, das beim Verfassen des Patalong-Textes zum Einsatz kam.

    Was vielleicht etwas zu kurz gekommen ist, ist eine Antwort auf die Frage, ob die Wikinews mehr als nur eine Presseschau sein können und daher über das hinausgehen, was viele Blogger in diesem Bereich zu bieten haben. Gerade die Tatsache, dass im Prinzip jeder die Nachricht ergänzen kann, eröffnet ja ganz neue Möglichkeiten. Denkbar wäre etwa, dass Leser, die am Ort des Geschehens wohnen, eine Nachricht durch ihre eigene Beobachtungen ergänzen. Informationen dieser Art wären viel wertvoller, als alles, was professionelle Newsdienste liefern können. Aber dafür muss natürlich die Wikinews-Gemeinde erstmal wachsen. Für einen derartigen Verriss, wie Herr Patalong ihn abgeliefert hat, ist es daher viel zu früh. Ein Wiki muss immer erst eine gewisse Reife erreichen, bevor man sich ein Urteil bilden kann. Das ist ein weiterer wesentlicher Unterschied zu einem Weblog

  6. Trackback von Michael Pietroforte am 10.12.04 15:04:

    Süddeutsche Zeitung über Wikinews

    Offenbar macht der Betatest der Wikinews die traditionellen Medien nervös. Vor ein paar Tagen  erschien der Verriss beim Spiegel und heute legt die SZ mit einem allerdings wesentlich besseren Beitrag nach. Titus Arnu, der Verfasser, zeigt gleich i…