Über Funktion und Ethik von Trackbacks

Marc Redmann (alias mr_spuck) hat sich in einem Kommentar über einen Trackback von mir beschwert. Diese Gelegenheit nehme ich zum Anlass, um mal meine eigene Meinung zu diesem Thema kund zu tun. Vieles, was ich bisher dazu gelesen habe, wird meines Erachtens der Funktion von Trackbacks nicht gerecht.

Ich glaube nicht, dass es so etwas wie „richtig trackbacken“ gibt. Die Meinungen dazu sind höchst unterschiedlich. Manche glauben, es geht in erster Linie darum, sein Weblog zu pushen und seinen Pagerank zu erhöhen und akzeptieren Trackbacks nur dann, wenn sie auch einen Link zurückbekommen. Zu dieser Sorte gehört scheinbar Marc Redmann. Andere vertreten die Auffassung, dass Trackbacks nur dann erlaubt sind, wenn man selbst etwas zum Thema zu sagen hat und sie für den Leser des Originalbeitrags einen zusätzlichen Wert darstellen. Vertreter der letzteren Position erwarten dann zwar meist keinen Backlink, fühlen sich aber häufig missbraucht, wenn der Trackback keine zusätzlichen Informationen enthält.

Ich persönlich halte beide Auffassungen für falsch. Zunächst einmal glaube ich, dass Google zwischen Kommentarlinks (dazu gehören vermutlich auch Trackbacks) und „echten Links“ unterscheidet. Ob Trackbacks also wirklich einen maßgeblichen Einfluss auf den Pagerank haben, halte ich nicht für besonders wahrscheinlich. Aber selbst wenn es so wäre, würde es mir nichts ausmachen, wenn jemand auf diese Weise sein Weblog promoten möchte. Warum auch? Solange sich das im Rahmen hält, habe ich dadurch ja auch keinen Nachteil.

Wer denkt, dass Trackbacks unbedingt eine zusätzliche Information enthalten müssten, verkennt meiner Ansicht nach eine bedeutende, vermutlich sogar ihre wichtigste Funktion. Trackbacks stellen ein Mittel dar, um Weblogs, die über ähnliche Themen berichten, miteinander zu vernetzen. Sie dienen also hauptsächlich zu Bildung von Communities. Dafür haben Blogger zwar auch noch andere Möglichkeiten (z.B. die Blogrolls), aber Trackbacks eignen sich vor allem dazu, um sein Weblog bei anderen Bloggern mit ähnlichen Interessen bekannt zu machen.

Deshalb sehe ich auch gerne Trackbacks in meinem Weblog, weil ich so immer wieder auf neue interessante Blogs stoße. Gleiches gilt auch für den Leser, denn auch der wird so unter Umständen auf eine neue Informationsquelle verwiesen. Dabei kommt es überhaupt nicht darauf an, ob in diesem speziellen Beitrag irgendein Mehrwert enthalten ist. Es geht lediglich darum, auszudrücken, dass man den angepingten Beitrag oder das entsprechende Thema für interessant hält und sich somit zu der Community, zu die dieser Blog gehört, bekennt.

Genau aus diesem Grund verlinke ich normalerweise auf Blogs, die ich anpinge. Und das dient dann eben nicht dazu, um einen anderen Blogger einen Gefallen zu tun (eine Hand wäscht die andere), sondern um meine Leser darauf hinzuweisen, dass es da einen Blog gibt, der vielleicht auch interessant wäre. In diesem Fall habe ich das leider vergessen, vermutlich weil ich etwas in Eile war.

Am meisten stört mich an der Diskussion um das „richtige Trackbacken“ diese gegenseitige Missgunst. Viele wollen so eine Art „Ethik für Trackbacks“ etablieren. Dabei muss peinlichst darauf geachtet werden, dass ja die Netiquette gewahrt bleibt. Ich halte das ehrlich gesagt für ziemlich kleinkrämerisch. Natürlich muss man meine Position nicht teilen und letztlich muss jeder Blogger für sich selbst entscheiden, wie er mit Trackbacks umgeht. Wer all zu sehr Angst hat, dass andere in einem ungebührlichen Maß vom eigenen Weblog profitieren, der muss „unprofitable Trackbacks“ halt wieder entfernen.

10 Kommentare

  1. Kommentar von mr_spuck am 17.12.05 12:31:

    Wenn es dir wirklich darum geht, thematisch ähnliche Blogs zu vernetzen, geht dies noch besser, wenn man einen Artikel den man trackbackt auch verlinkt, da so Kommunikation in beiden Richtungen stattfindet und keine Einbahnstrasse darstellt …

  2. Kommentar von Michael Pietroforte am 17.12.05 16:48:

    Die Antwort darauf steht eigentlich im Text.

  3. Kommentar von mr_spuck am 17.12.05 17:00:

    Verstehst du mich nicht oder willst du mich nicht verstehen, wenn du Trackbacks setzt ohne den entsprechenden Artikel zu verlinken, baust du Einbahnstrassen auf und zwar in Richtung deines Blogs, Kommuniktation dagegen funktioniert in beiden Richtungen, was bei deinem Vorgehen nicht gegegben ist.

    FAZIT: Du hast das ganze Social-Software-Ding nicht verstanden, dessen Hauptbestandteil nunmal die Kommunikation ist, und zwar nicht die, die nur in einer Richtung funktioniert …

  4. Kommentar von Michael Pietroforte am 17.12.05 18:36:

    Wie gesagt, ich hatte einfach vergessen, einen Link auf Deinen Beitrag zu setzen. Normalerweise verlinke ich eigentlich immer. Das Problem ist, dass es vielen Bloggern eigentlich gar nicht um Kommunikation, sondern in erster Linie um Anerkennung geht. Sie sind ständig auf der Suche nach einer Bestätigung ihres Könnens und eine Form dieser Bestätigung sind Backlinks. Manche nehmen das Ganze so ernst, dass sie dann, wenn man ihnen diese Bestätigung verweigert, sauer werden.

  5. Kommentar von mr_spuck am 18.12.05 02:34:

    wenn du versprichst das nächste Mal artig zu sein, bin ich auch nicht mehr böse … 😉

  6. Kommentar von Jan Tißler am 20.12.05 00:05:

    Links sind ein integraler Bestandteil des Internets und ein Service am Nutzer. Wenn ich als Leser einen Link vorfinde, ist mir erst einmal egal, auf welche Weise er dort hinkommt. Er ist da. Und wenn ich draufklicke und finde dahinter einen Artikel, der mit dem Thema nichts zu tun hat oder den bereits gelesenen Artikel lediglich zusammenfasst oder wiederholt, fühle ich mich veralbert. Es ist dem Durchschnittsnutzer herzlich egal, wie die dahinterstehende Technik heißt. Ein Link ist ein Link ist ein Link. Mir als Leser ist es allerdings auch egal, ob der dort verlinkte Artikel auch auf den Ursprungsartikel zurückverweist. Vor allem: Das ist im Internet eher unüblich. Eine Seite wie Spiegel.de hätte viel zu tun, wollte sie auf alle verlinkenden Seiten zurückverweisen und das erwartet auch niemand. Ich erwarte, dass mir ein Link zusätzliche, interessante, nützliche Informationen bringt. Und ich erwarte, dass ein Link mit dem Gedanken gesetzt wird, für den Leser nützlich zu sein. Aber da verlange ich natürlich ganz schön viel, ich weiß…

  7. Kommentar von Michael Pietroforte am 20.12.05 21:48:

    @Jan Tißler
    >>Ein Link ist ein Link ist ein Link.

    Auch wenn es sich bei diesen Satz um eine Tautologie handelt, so ist das, was Du eigentlich damit sagen willst, nicht richtig. Wie ich bereits im Beitrag dargelegt habe, kann die Funktion eines Links variieren. Im Falle von Trackbacks kann der Link auch ein Hinweis auf ein Weblog sein, das sich mit ähnlichen Themen beschäftigt. Eine wichtige Funktion von Trackbacks besteht also im Aufbau von Netzen innerhalb des Webs. Und da liegt dann auch der Mehrwert für den durchschnittlichen Leser, der genau von dieser Verlinkung unter den Weblogs profitiert. Wenn Du also eine andere Auffassung bezüglich der Funktion von Trackbacks vertrittst, dann müsstest Du genau diesen Punkt widerlegen. Vielleicht solltest Du einfach immer dann, wenn Dich ein Link auf einen Beitrag führt, im dem keine zusätzlichen Informationen zu finden sind, Dir mal das zugehörige Weblog ansehen. Vielleicht fühlst Du Dich dann nicht mehr veralbert, wenn danach ein weiterer Feed in Deinem RSS-Reader landet

  8. Kommentar von Jan Tißler am 21.12.05 00:18:

    Sagen wir mal so: Ich versuche mich in die Lage des Durchschnittsnutzers zu versetzen. Und der hat gerade einen Artikel zu einem speziellen Thema gelesen und findet nun unter dem Text einen Link. Er wird aus meiner Sicht am ehesten weitere Informationen zu diesem speziellen Thema erwarten. Das schließt natürlich nicht aus, dass er der verlinkten Seite aufgeschlossen begegnet, auch wenn sie diese Erwartung erst einmal nicht erfüllt… Klar. Von Links lebt das Internet und die Blogosphäre sowieso.

  9. Kommentar von Michael Pietroforte am 21.12.05 21:53:

    Der Durchschnittsleser der meisten Weblogs ist vermutlich selbst Blogger. Und Blogger sind dann in der Regel auch dankbar für Verweise auf themenverwandte Blogs. Wie wichtig diese Funktion ist, kann man schon daran erkennen, dass einige Weblog-Systeme Pingbacks unterstützten. Pingbacks sind im Grunde ja nichts anderes als automatisierte Trackbacks. Dabei wird einfach alles automatisch angepingt, worauf man verlinkt hat. Ganz offensichtlich kann es hier schon aus technischen Gründen überhaupt keine Rolle spielen, ob der Beitrag, von dem der Ping ausgeht, zusätzliche Informationen bereitstellt. Es geht lediglich darum, den Blogger und seine Leser darüber zu informieren, dass ein anderer Blogger auf diesen Beitrag verlinkt hat. Diese Art der Vernetzung untereinander unterscheidet Weblogs von den Newsdiensten, genau wie sich eben auch die Durchschnittsleser dieser beiden Publikationsformen voneinander unterscheiden.

  10. Kommentar von Jan Tißler am 1.01.06 15:15:

    Erst einmal: „Frohes Neues!“ 😉 Wenn man als Durchschnittsleser Blogger annimmt, stimmt das natürlich. Ich bin da immer etwas unromantisch und halte Weblogs auch nur für Internetseiten – mit einigen Besonderheiten. Künftig dürften auch immer mehr Leute einen Artikel auf einem Weblog finden, ohne zu wissen, was ein Weblog ist. Und das ist ihr gutes Recht. Sie müssen ja schließlich auch nicht wissen, was ein „Dreamweaver“ oder ein „Joomla“ ist, um den Aufbau einer Internetseite zu verstehen.