Unerwartet: Münchner Linux-Migration macht Probleme

Offenbar haben die verantwortlichen Politiker der Stadt München den Aufwand und die Konsequenzen, die mit einem Wechsel von Windows auf Linux verbunden sind, etwas unterschätzt. In einem Artikel in der Computerwoche ist zu lesen, dass bei dem Umstieg auf das Open-Source-Betriebssystem doch mit Problemen zu rechnen sei. Als Gründe werden der Widerstand in den eigenen Reihen und die leere Münchner Stadtkasse genannt. Außerdem gäbe es eine Reihe von benötigten Anwendungen, die unter Linux nicht verfügbar seien.

Circa 30 Millionen Euro soll die Migration kosten. Das Microsoft-Angebot wäre mit 27 Millionen Euro um 10 % günstiger gewesen. Aber drei Millionen Euro sollte dem Steuerzahler die Publicity für die Münchner Politiker und natürlich dem Open-Source-Gedanken schon wert sein.

Als Hauptgrund für den teuren Umstieg wird von den Befürwortern im Stadtrat die gewonnene Unabhängigkeit von einem Hersteller genannt. Sie wissen schon, wer gemeint ist: der mit den unverschämten Lizenzforderungen… Nun ja, dafür hat man jetzt die Abhängigkeit von zwei Anbietern, nämlich IBM und Suse, gewonnen. Ob das so viel besser ist? Schließlich sind die beiden nicht gerade als Billigmeier bekannt.

Schon für die Erstellung des Feinkonzeptes ist man auf die gesponserte Hilfe von IBM und Suse angewiesen. Die Herstellerunabhängigkeit bleibt nach Wilhelm Hoegner, dem Chef des Amts für Informations- und Datenverarbeitung, aber dennoch gegeben. Der Ausgang der erst im Laufe diesen Jahres geplanten Ausschreibung ist angeblich vollkommen offen. Man rechnet mit einem harten Wettbewerb. Wer sich traut, kann gerne eine Wette über die Gewinner mit mir abschließen.

Besonders amüsiert hat mich der folgende Satz im besagten Beitrag aus der Computerwoche: Rund 50 % der Anbieter hätten bislang noch keine Ambitionen in Richtung Open Source gezeigt, berichtet der IT-Manager. Hoegner spricht hier von den Softwareherstellern, deren Applikationen in der Stadtverwaltung offenbar auf Windows liefen und die sich partout weigern, ins lukrative Open-Source-Geschäft einzusteigen.

Bleibt abzuwarten, welche zusätzlichen Kosten auf den Steuerzahler zu kommen, wenn diese Anwendungen eigens für die Münchner umgeschrieben werden müssen. Aber dass man sich mit diesem Problem erst jetzt auseinandersetzt, wo die Entscheidung für Linux bereits gefallen ist, muss einem doch zu denken geben. Kein Wunder, dass es in der Stadtverwaltung noch Widerstandsnester gibt.

Für die Münchner Bürger bleibt zu hoffen, dass dieses Projekt nicht in einem ähnlichen Fiasko wie das Mautprojekt endet. Außer den 30 Millionen Euro dürfte man ihnen dann noch etwas mehr Zeit und Geduld vor den Münchner Amtsstuben abverlangen.

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