Wikinews, Neue Zürcher Zeitung und Amateure

Jede Zeitung, die etwas auf sich hält, muss über kurz oder lang über die Wikinews berichten. Und freilich wird man auch nicht müde, immer wieder die gleiche Kritik anzubringen. Kann man sich auf Texte verlassen, die von “Amateuren” verfasst wurden? So geschehen in einem Beitrag in der Neuen Zürcher Zeitung. Witzigerweise widerlegt sich Stefan Krempl, der Verfasser, im selben Artikel gleich selbst.

Dass es um die Wikinews geht, muss man erraten, denn das Wort kommt im Text gar nicht vor. Stattdessen verwechselt Krempl Wikimedia mit den Wikinews. Nun denken wohl die Hälfte aller Schweizer, dass es sich bei Wikimedia um tagesaktuelle Nachrichten handelt, die durch eine Kooperation von Amateuren entstehen. Nur leider ist das halt falsch.

Wikimedia[2] heisst das jüngste Kind der Gemeinschaft. Hier sollen tagesaktuelle Nachrichten durch eine Kooperation von Amateuren entstehen.

Es ist wohl kaum denkbar, dass ein derart gravierender Fehler in einem Wiki unbemerkt geblieben wäre. Dagegen kann man davon ausgehen, dass der Beitrag in der Neuen Zürcher Zeitung auch in den nächsten 225 Jahren nicht verbessert wird.

Der Fehler, den viele Journalisten in diesem Zusammenhang begehen, ist, dass jeder der im Internet ohne Verlagshaus im Rücken publiziert, ein Amateur ist. In Wikis und Weblogs ist aber häufig genau das Gegenteil der Fall. Hier schreiben meist Spezialisten, die sich mit den Inhalten in ihren Beiträgen tagtäglich beruflich auseinander setzen.

Im Gegensatz dazu müssen Journalisten nicht selten über Themen berichten, mit denen sie sich mal auf die Schnelle vertraut gemacht haben. Der Beitrag in der Neuen Zürcher Zeitung ist ein gutes Beispiel dafür. Ein Profi hätte wohl kaum „Wikinews“ mit „Wikimedia“ verwechselt, so etwas passiert normalerweise nur Amateuren.

Neue Zürcher Zeitung: Selbstverwaltung des Wissens – Online-Nachschlagewerk Wikipedia als Nachrichtendienst

5 Kommentare

  1. Kommentar von Florian Dieckmann am 29.03.05 22:14:

    Zitat: „Hier schreiben meist Spezialisten, die sich mit den Inhalten in ihren Beiträgen tagtäglich beruflich auseinander setzen“

    Aber heißt das nicht auch dass hier keinesfalls Leute schreiben werden, die von Ihrer Arbeit (dem Journalismus) leben wollen? Ich mag die Idee von Wikinews prinzipiell ja gern, aber wie steht es mit dem Journalismus, dem wochenlange Recherchen, Branchen- und Detailkenntnis vorausgehen müssen, um dann vom Verkauf der Information zu leben?

  2. Kommentar von Michael Pietroforte am 29.03.05 22:49:

    Der Punkt ist, dass ein Experte sich jahrelang mit dem Thema auseinander setzt und ja auch mit seinem Wissen Geld verdient. Er ist hoch spezialisiert und kann häufig besser beurteilen, was andere Experten in diesem Bereich interessiert. Viele Spezialisten haben zwar Schwierigkeiten ihr Wissen zu vermitteln, doch wie man vor allem in der englischsprachigen Blogosphere sehen kann, gibt es auch viele, die das ganz gut hinbekommen. Zudem findet man auch schon den ein oder anderen Blogger, der davon lebt. Das ganze passiert dann aber ohne Redaktion und ohne Verlagshaus, ist aber dennoch per definitionem professionell.

  3. Trackback von Blogshop am 20.01.05 22:45:

    Selbstverwaltung des Wissens

    „Selbstverwaltung des Wissens“ – die NZZ verreisst die Wikipedia. [via cyDome] …was ein scheiss Beitrag….

  4. Trackback von Weblog - stefanbucher.net am 21.01.05 22:12:

    Fehler machen nicht nur Amateure

    Michael Pietroforte stellt im Artikel Wikinews, Neue Zürcher Zeitung und Amateure fest, dass ein NZZ-Journalist «Wikimedia» geschrieben aber «Wikinews» gemeint habe:Es ist wohl kaum denkbar, dass ein derart gravierender Fehler in einem Wiki unbemerkt g…

  5. Trackback von Patrices Weblog am 22.01.05 16:54:

    Wikinews in der NZZ

    Seit kurzem ist das neue Projekt Wikinews online, welches als eine Fusion zwischen einer Zeitung und Wikipedia gedacht ist. Da musste sich auch die NZZ dazu melden und hat dies mit dem mehr schlechten als rechten Artikel Selbstverwaltung des Wissens…