Wikis im Unternehmen, Einfachheit und Consultants

Vor ein paar Tagen ist ein Beitrag von mir über den Einsatz von Wikis im Unternehmen bei vnu.net erschienen. Martin Röll, ein unbekannter Berater aus Dresden, hat den Artikel gelesen, scheinbar aber nicht so recht verstanden und dann in seinem Weblog wild drauflos kritisiert.

Es wird mir die Auffassung unterstellt, dass Wikis deshalb benutzt werden, weil sie einfach sind. So eine Behauptung wäre natürlich kompletter Unfug. Messerscharf schließt Herr Röll, dass Menschen deshalb Software nutzen, weil sie damit Aufgaben erledigen wollen.

Kein Mensch benutzt eine Software, weil sie einfach ist! Menschen benutzen Software, weil sie Dinge erledigen wollen, ein Ziel erreichen wollen oder weil es Spaß macht.

Wer hätte das gedacht? Wahrscheinlich muss man eine jahrelange Erfahrung als Consultant haben, um zu solchen tief greifenden Einsichten zu kommen.

Tatsächlich habe ich behauptet:

Dieser unkomplizierte Charakter ist sicher ein wesentlicher Motivations-Faktor.

Die Rede ist hier von Motivation und nicht von Motiven. Ich behaupte also nur, dass die Einfachheit die Leute motiviert, Wikis zu nutzen und nicht, dass die Einfachheit das Motiv dafür ist. Es spart einfach Zeit, wenn man gleich loslegen kann, ohne sich erst in ein komplexes Knowledge-Management-System einarbeiten zu müssen (beziehungsweise sich von einem Coach schulen zu lassen).

Viele Menschen haben es halt gerne einfach und sind dann motivierter, wenn sie sich auf ihre eigentliche Aufgabe konzentrieren können, anstatt auf die Software, die ihnen zur Erledigung derselbigen helfen soll. Das ist eigentlich ziemlich banal und wird in fast jedem Text zum Thema Wiki-Einsatz im Unternehmen erwähnt.

Umso erstaunlicher ist es, dass ein Berater, der in diesem Umfeld arbeitet, so auf diesem Punkt herumreitet. Könnte es vielleicht sein, dass gerade die Einfachheit von Wikis einem Consultant nicht so besonders ins Konzept passt? Wer braucht schon eine Beratung, wenn das alles so einfach ist?

Ich gehe in meinem Beitrag bei vnu.net noch auf eine Reihe anderer motivationsfördernder Faktoren ein. Zusammengenommen können diese Faktoren in der Tat bewirken, dass ein Wiki dann auch benutzt wird, während das sündhaft teure Knowledge-Management-System ungenutzt vor sich hingammelt.

Besonders aufschlussreich sind dann übrigens die Faktoren, die der unbekannte Berater aus Dresden für wichtig hält:

Einen guten Grund, d.h. eine Aufgabe, ein Ziel, ein Problem, das zu lösen ist und

eine förderliche Umgebung

Jetzt ist also klar, was es mindestens braucht, damit es mit dem Wiki im Unternehmen auch wirklich klappt. Eine förderliche Umgebung wäre sicher ausgesprochen förderlich dafür. Sehr nützlich wäre es auch, wenn wir wüssten, was wir mit dem Wiki überhaupt anstellen wollen. Ahhhh ja, gut zu wissen.

12 Kommentare

  1. Kommentar von eckes am 23.03.05 00:47:

    Wie kindisch!

    Da fühlt sich jemand schwer auf den Schlips getreten, oder? Sicher ist es Ansichtssache ob Martins Kritik gerechtfertigt ist, aber wieso diese kindischen Angriffe gegen seine Person?

    Gruss
    Bernd

  2. Kommentar von Michael Pietroforte am 23.03.05 07:21:

    Eigentlich bediene ich mich nur der Wortwahl des Herrn Röll und wollte damit vor allem darauf hinweisen, dass es in seiner Kritik schon ziemlich unsachlich zugeht. Die Erklärung dafür habe ich schon in meinem Beitrag hier geliefert. Offenbar fühlt sich ein Consulant auf den Schlips getreten, wenn man sein Metier als einfach darstellt. Mein eigener Schlips wurde vermutlich tatsächlich auch etwas demoliert, aber sicher nicht schwer. Dazu hätte es schon einer sachlich fundierteren Kritik bedurft.

  3. Kommentar von Martin Röll am 23.03.05 12:10:

    Sie unterstellen mir Ansichten, die ich nicht habe und auch nicht vertreten habe. So wie sie es hier argumentieren („Viele Menschen haben es halt gerne einfach und sind dann motivierter, wenn sie sich auf ihre eigentliche Aufgabe konzentrieren können, anstatt auf die Software, die ihnen zur Erledigung derselbigen helfen soll.“) macht das natürlich viel Sinn und da sind wir uns auch komplett einig.

    (Schön, dass der Artikel jetzt eine Autorenangabe hat!)

  4. Kommentar von Michael Pietroforte am 25.03.05 07:26:

    Dann sind wir uns zumindest darin einig, dass wir uns gegenseitig Positionen zugeschrieben haben, die wir nicht vertreten. 🙂

  5. Kommentar von Henning Heinz am 25.03.05 21:44:

    Wir man aus diesem wirklich harmlosen Artikel solch eine Diskussion provozieren kann ist mir ein Rätsel. Das er von Michael Pietroforte stammt allerdings auch, das Wort Microsoft kommt gar nicht drin vor und es wird nicht in jedem dritten Satz auf Open Source eingedroschen. 😉

  6. Kommentar von eckes am 26.03.05 02:49:

    Hier an der Stelle ist jetzt der Hinweis auf Flexwiki fällig 🙂

    http://www.microsoft.com/resources/sharedsource/Licensing/FlexWiki.mspx

  7. Kommentar von Michael Pietroforte am 26.03.05 17:21:

    Es ist richtig, der Artikel ist eigentlich ziemlich harmlos. Er wendet sich ja nicht an Blogger, sondern an IT-Profis im Allgemeinen. Die haben häufig das Wort „Wiki“ noch nicht mal gehört. Scheinbar übersehen viele die zweite Seite des Artikels. Da wird sowohl Microsoft als auch FlexWiki erwähnt:
    http://www.vnu.de/it/strategie/article.asp?ArticleID=20050318008&Page=2&Ref=it.

  8. Trackback von A2O — Business pur am 23.03.05 16:22:

    Belohnungssysteme und ihre Eigendynamik

    Bei Belohnung denken wir an die Gratifikation, an das Bonbo’le, die Spielstunde, etc.

    Belohnung ist auch das gute Gefühl. Egal wie die Belohnung aussieht, das gute Gefühl gehört dazu.
    Das gute Gefühl stellt sich ein, wenn unsere Bedürfnisse befried…

  9. Trackback von Zukunft am 27.03.05 23:05:

    Immer diese Stellungskriege

    Wenn man schon über Knowledge Management System versus Wiki diskutieren will, dann bitteschön nicht mit diffusen Begrifflichkeiten.

    Da rufen die Deutschen an allen Ecken nach Innovationen, dennoch tun sie sich schwer, mögliche Innovationen zu erörte…

  10. Kommentar von B. W. am 5.12.05 22:23:

    Mit Herrn Röll habe ich auch so meine Erfahrungen gemacht.
    Es ist schon erstaunlich, wie schlecht ein Berater und Coach mit Kritik umgeht.

    Wer andere Meinungen nicht zulässt und Kritiken einfach kommentarlos aus seinem Blog löscht, kann nur ein verzerrtes Meinungsbild wiederspiegeln.

    Nach meiner Meinung schreibt Herr Röll, um sich in Szene zu setzen.
    An einer objektiven Sichtweise, ist ihm offensichtlich nicht gelegen.

  11. Kommentar von Jakob Voss am 17.02.06 13:00:

    Und schon ist der Artikel futsch! Falls er doch noch mal auftaucht bitte unter http://de.wikipedia.org/wiki/Benutzer:JakobVoss/Wikis_in_Unternehmen#Presseartikel eintragen.

  12. Kommentar von Conrad Rentsch am 18.08.06 11:21:

    Ich glaube das sollte der Artikel sein, oder?

    http://www.it-im-unternehmen.de/strategie/article20050318008.aspx