RSS: Entwickeln sich RSS-Feeds zum Schreckgespenst für E-Mail-Marketiers?

Mit der Frage, ob RSS-Feeds nicht das Aus für das klassische E-Mail-Marketing bedeuten könnten, beschäftigt sich Jon Udell, Redakteur bei Info World , in einem Beitrag, der auf seinem Weblog erschienen ist. Seine These: Viele User werden personalisierten RSS-Nachrichten den Vorzug vor E-Mail-Newslettern geben.

Sich Informationen via RSS senden zu lassen, so Udell, hat den Vorteil, dass der User die Kontrolle über den Kommunikationskanal hat. Er legt fest, welchen Service er haben möchte und welchen nicht. Umgekehrt ist die Lage bei E-Mail-Newsdiensten, zumindest dort, wo die „Opt-out“-Regel gültig ist: Der Sender versorgt beziehungsweise nervt oft genug einen Empfänger solange mit seinen Mitteilungen, bis der die Werbe-Botschaften dediziert abbestellt. Bei Opt-in, das auch die Europäische Union favorisiert, muss der Versender vorab beim potenziellen Interessenten anfragen, ob er ihm Informationen zukommen lassen darf.

Wie Jon Udell richtig anmerkt, macht es E-Mail-Marketiers nervös, dass mit RSS ein Medium aufgetaucht ist, dass es dem Benutzer sehr viel leichter macht, den Informationsfluss zu steuern, indem er Channels abonniert oder abbestellt. Anders sieht es bei Werbe-Mails oder gar Spam aus. Hier ist der Versender in einer besseren Position. Selbst in Ländern, in denen die Opt-in-Regelung gilt, gibt es genügend Möglichkeiten, dieses Hindernis zu umgehen. So kann der Versender von Staaten aus operieren, in denen ein solches „Vergehen“ als Kavaliersdelikt gilt, oder er tarnt die Werbebotschaften als Informationsdienst. Diesen Trick verwenden beispielsweise Spam-Versender in den USA, um die dortigen Anti-Spam-Gesetze zu umgehen.

Hinzu kommt, dass immer mehr Anbieter von Hard- und Software oder (kostenlosen) Online-Diensten ihre Produkte dem Nutzer nur dann überlassen, wenn der sich registriert – und dabei vielleicht übersieht, dass er damit gleichzeitig einen Newsletter abonniert.

Mittlerweile erkennen jedoch auch Firmen und Institutionen, dass mit RSS ein Medium zur Verfügung steht, über das sie - mehr oder weniger - nützliche Informationen verbreiten können. Selbst Behörden, wie etwa das Bundesverfassungsgericht, nutzen RSS, um Informationen zu verbreiten. Alleine auf News is free sind mittlerweile 120 RSS-Feeds gelistet, die im Auftrag von Firmen Pressemitteilungen verbreiten.

Einen weiteren Vorteil von RSS im Vergleich zu E-Mail sieht Udell darin, dass wichtige Nachrichten, etwa über den Kontostand, nicht „untergehen“. Würden solche Informationen via E-Mail versendet, bestehe die Gefahr, dass sie von Anti-Spam-Filtern abgefangen würden, es sei denn, der User passe sein Filterprogramm mithilfe von Regeln an. Und das sei vielen Internet-Nutzern kaum zuzumuten.

So eng sehe ich das wiederum nicht. Denn die meisten Anti-Spam-Filter sind mittlerweile halbwegs einfach bedienen, seien es die Mechanismen, die E-Mail-Clients wie Outlook oder Notes "mitbringen", oder die Filter von Antiviren- und Firewall-Software. So genannte „Fault Positives“, also Nachrichten, die fälschlicher Weise im Spam-Ordner landen, sind nie auszuschließen. Aber häufig genügen ein paar Maus-Klicks, um die Mails beziehungsweise deren Absender in die Liste der erwünschten Nachrichten oder Versender aufzunehmen.

Ein Vor- und Nachteil zugleich von RSS besteht darin, dass die Technik vom Nutzer verlangt, dass er eine aktive Rolle spielt: Er muss Channels finden, die für ihn relevant sind, und diese abonnieren. Allerdings ist das eine Aufgabe, die dank RSS-Verzeichnissen wie Syndic8, News is free, Feedster oder RSS-Scout nicht allzu schwierig ist.

Außerdem ist die Zahl der Informationen und damit der personalisierten RSS-Kanäle überschaubar, die für einen User höchste Priorität haben, etwa Daten über den Kontostand und Aktienkurse, Mitteilungen von Behörden und Vereinen, Sonderangebote, Nachrichten et cetera. Die entsprechenden Feeds dürfte der Normal-User wohl über einen längeren Zeitraum nutzen, das heißt, er muss sie normalerweise nur einmal einrichten.

Noch ein Tipp: Klaus Eck hat auf CyDome mehrere Beiträge zum Thema E-Mail-Marketing und RSS veröffentlicht.

Verfasst von: Bernd Reder am 19.05.04, 15:10
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Bernd Reder kommentiert einen Artikel von Jon Udell: Push me, pull you Forget the old rules for how Internet content arrives. It’s all about end-user control Positiv sieht er die Kontrollmöglichkeiten für den
Ping von: HIRSCHgarden, am 21.05.04, 14:02
Titel: RSS als Schreckgespenst für E-Mail-Marketing
Kommentare

Mein Trackback zu dem Artikel ist wohl nicht angekommen, deshalb ein kurzer Hinweis über die Kommentarfunktion zu meinen Anmerkungen zu dem Artikel:
http://www.hirschgarden.de/blog/comments.php?id=34_0_1_0_C


Verfasst von: Siegfried Hirsch am 21.05.04, 15:32

Noch eine Ergänzung - kann es sein, dass Trackbacks erst angezeigt werden, wenn ein Kommentar zu einem Artikel abgegeben worden ist?


Verfasst von: Siegfried Hirsch am 21.05.04, 15:33
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