Keine relevanten Inhalte in Weblogs

Bloggen kann eigentlich jeder. Ein Weblog aufzusetzen stellt keine Kunst dar. Und das ist das Problem. Zumindest für Fachautoren, die ihre Zielgruppen direkt erreichen wollen. Redaktionell findet jedoch in Weblogs keine Auslese mehr statt. Deshalb werden sehr viele Blog-Inhalte produziert. Eine Infoflut sondergleichen ist die Folge, in der die Leser sich erst einmal orientieren müssen. Das ist nicht weiter verwunderlich, schließlich gibt es in den Blogs meistens keine Qualitätskontrolle. Aber bringt das Bloggen dann für einen Experten wirklich etwas, der darüber Kunden gewinnen möchte? Das fragt sich Bob Bly in seinem Weblog-Beitrag "Dead Tree Media: Not Dead Yet".

Bob Bly hält sehr viel von Printprodukten, ohne dabei ganz aufs Bloggen zu verzichten. Über die klassischen Medien lassen sich seiner Ansicht nach (vielleicht sogar) leichter potenzielle Kunden ansprechen. Schließlich kann nicht jedermann (Blogger) seine Artikel in der Wirtschaftswoche, der Financial Times, dem Spiegel oder dem Wall Street Journal veröffentlichen oder ein eigenes Buch in einem renommierten Verlag herausbringen. Die Redakteure wählen gezielt aus und liefern ihren Lesern relevantere Inhalte als die meisten Weblogs. Noch sind nicht alle Leser gleichermaßen Google-Kenner und finden sich in den digitalen Weiter der Blogosphäre zurecht...

"And that’s why these dead tree media, unlike a blog, give the author a certain status and credibility that self-published online writings, like e-books, do not.

The best tact is a mixed-media approach: For instance, I am a regular contributor to dead tree media including Writer’s Digest and DM News. And I am the author of 60 books published by such mainstream publishing houses as Prentice Hall and Amacom.

But I also publish a blog, a free monthly e-zine, and downloadable free articles and special reports available on my Web site." (Bob Bly)

Verfasst von: klauseck am 10.12.04, 11:27
Kommentare

>> Redaktionell findet jedoch in Weblogs keine Auslese mehr statt.

Das mag für das einzelne Weblog zutreffen. Ein Blog muss aber als Bestandteil der Blogsphere gesehen werden, die für genau diese Auslese und Qualitätskontrolle sorgt. Wer gute und interessante Beiträge schreibt, wird zitiert, disktutiert, verlinkt, abonniert etc. Wer qualitativ nichts zu bieten hat, verschwindet im Informationsmoloch Internet und damit in der Bedeutungslosigkeit. Das kann keine Redaktion der Welt leisten, noch nicht mal die Redaktion von Spiegel Online ;-)


Verfasst von: Michael Pietroforte am 10.12.04, 14:49

Es ist eine unzulässige Schlussfolgerung, dass hohe Eintrittsbarrieren für ein Medium Garant für hochwertige Inhalte seien. Natürlich schränken die Produktionskosten für eine Printpublikation den Kreis derer ein, die eine solche herausgeben können. Aber gleichzeitig erhöhen sie den wirtschaftlichen Druck, der sich nicht immer günstig auf die redaktionellen Inhalte auswirkt. Ein Blick in den Zeitschriften-Kiosk erinnert uns schnell daran, dass bei den "dead trees" viel Müll dabei ist.

Richtig scheint mir hingegen, dass der im Vergleich zu online knapp bemessene Platz einen stärkeren Zwang zur Selektion von Inhalten ausübt. Im Weblog kann ich irrelavanten Käse am laufenden Band publizieren, weil es mich nichts kostet außer meine Arbeitszeit. In den engen Grenzen eines Printmediums bin ich stärker gezwungen, einen vernünftigen Themenmix anzubieten.


Verfasst von: Wolfgang Sommergut am 10.12.04, 15:53

@Wolfgang

Genau in dieser Selektion sehe ich den größten Nachteil von Printpublikationen. Was "Käse" ist und was nicht, ist oft Geschmackssache. So fallen dann meistens Themen unter den Tisch, die nur für Minderheiten interessant sind. Dank RSS kann ich mir aus den verschiedensten Weblogs genau das herauspicken, was für mich interessant ist. Den vernünftigen Themenmix bestimmt hier der Leser selbst. Die ernorme Themenvielfalt des Webs ist eine der größten Stärken gegenüber Print.


Verfasst von: Michael Pietroforte am 10.12.04, 16:17

@Wolfgang

Die Eintrittsbarrieren faszinieren in diesem Falle aber den Direktmarketier Bly, der die Erfahrung gemacht hat, dass er über Print seine Leserschaft sehr gut bedienen kann. Hierbei zählt die Marke. Sie bürgt in der Regel für eine gewisse Qualität. So leicht es nun wirklich nicht bei einer Wirtschaftspublikation mit einem Beitrag zu glänzen... D.h. eine gewisse Vorauswahl findet statt.

Es geht mir in diesem Beitrag weniger um die tatsächliche Qualität der "Printmedien" insgesamt(, die in der Tat diskussionswert ist), sondern um den Aspekt, den Bly aufgeworfen hat: Ab wann können Fachautoren auf Wirtschaftspublikationen verzichten. Heute anscheinend noch gar nicht.

Natürlich können Weblogs mit dem entsprechenden Aufwand ebenfalls eine hohe Qualität erzielen und eine eigene Marke entwickeln. Das steht außer Frage...


Verfasst von: Klaus Eck am 10.12.04, 16:54

@Michael und Wolfgang

Ich vermute, die Printmedien haben noch einen anderen Vorzug gegenüber der "Blogosphäre": Ihre Präsenz im täglichen Leben ist größer und ihre Rezeption verbreiteter. Mag sein dass die Blogosphäre wie eine Print-Redaktion Selektion produziert. Jedoch handelt es sich in der Blogosphäre nur um Prominenz und nicht um redaktionelle Entscheidungen. Und wer - wie erwähnt - zu Internet und Blogosphäre keinen Zugang hat, der wird einige Geduld mitbringen müssen, um zu verstehen, wie Priorität statt durch redaktionelle Entscheidung durch Prominenz erzeugt wird. Das Problem, auf das sich dieses Umlernen bezieht, ist währenddessen das der Glaubwürdigkeit. Und ich würde weiter vermuten, dass es genau der Bedarf nach Glaubwürdigkeit und nach Verbindlichkeit (Verbindlichkeit, dass es alle gelesen haben werden) ist, der z.B. traditionelle Wirtschaftspublikationen unverzichtbar macht.


Verfasst von: Florian Dieckmann am 28.03.05, 13:00

>> Und wer - wie erwähnt - zu Internet und Blogosphäre keinen Zugang hat, der wird einige Geduld mitbringen müssen, um zu verstehen, wie Priorität statt durch redaktionelle Entscheidung durch Prominenz erzeugt wird.

Wer keinen Zugang zum Internet hat, wird in Zukunft vor allem Geduld bei der Jobsuche mitbringen müssen. Ansonsten würde ich die Glaubwürdigkeit von redaktionellen Entscheidungen nicht überbewerten. Vergleiche hierzu:

http://www.cydome.de/mpietroforte/archives/000840.shtml
http://www.cydome.de/mpietroforte/archives/000851.shtml


Verfasst von: Michael Pietroforte am 29.03.05, 20:03
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